Der Tagesspiegel : "Glasklarer" Fall: Einstiger Hohenzollern-Besitz in Potsdam wird nicht rückübertragen

POTSDAM (AP/Tsp).Die Erben des letzten deutschen Kaisers erhalten ihre früheren Besitztümer in Potsdam nicht zurück.Das Potsdamer Verwaltungsgericht wies gestern die Klagen eines Nachlaßverwalters auf Rückgabe von 244 Grundstücken und Gebäuden in der brandenburgischen Landeshauptstadt mit einer Gesamtfläche von rund einem Quadratkilometer zurück.Der Verwalter hatte die Güter aus dem früheren Privatbesitz von Kaiser Wilhelm II.im Namen der Hohenzollern-Erben eingefordert.Dazu gehören das Schloß Lindstedt, das Wohnrecht für das berühmte Schloß Cecilienhof, verschiedene Villen, Teile des Schloßparks Sanssouci, ein ehemaliger Exerzierplatz und die frühere Ulanenkaserne der Stadt.

Die Grundstücke aus dem Besitz des letzten deutschen Kaisers und Königs von Preußen waren 1948 im Namen der Sowjetischen Militär-Administration in Deutschland (SMAD) beschlagnahmt, enteignet und später in Volksbesitz überführt worden.Zur Begründung des Urteils erklärte der Vorsitzende Richter Wilfried Hamm, die Enteignung auf der Grundlage der SMAD-Befehle sei rechtmäßig.Es gebe keinen Beweis dafür, daß die deutschen Behörden gegen den Willen der Russen gehandelt hätten.Das Gericht ließ keine Revision zu.Richter Hamm sprach von einer "glasklaren" Rechtslage.

Hohenzollern-Nachlaßverwalter Job Ferdinand von Strantz hatte vor Gericht die Rechtmäßigkeit der Enteignung angezweifelt und betont, sie sei von deutschen Behörden gegen den Willen der Sowjets durchgeführt worden.Er kämpft um die Rückgabe der Güter, obwohl noch nicht geklärt ist, wer eigentlich der Erbe des Hauses Hohenzollern-Preußen ist.Ein wegen einer nicht standesgemäßen Heirat enterbter Kaiser-Nachfahr hatte gegen seinen Ausschluß vom Erbe geklagt.Die Gerichtskosten in Höhe von rund 300 000 Mark wird der künftige Hohenzollern-Erbe zahlen müssen, sobald die Erbfolge geklärt ist.

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