Der Tagesspiegel : Glaubwürdig, ehrlich und ein Mythos Auch zwei Jahre nach ihrem Tod fehlt Regine Hildebrandt

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„Es gibt zur Zeit keinen Spitzenpolitiker, der sich so einsetzt für die wirklichen Probleme der Bevölkerung“, schreibt Dagmar Mauwitzsch aus Berlin im virtuellen Kondolenzbuch unter www. regine-hildebrandt.de . Am Todestag der 2001 verstorbenen früheren Brandenburger Sozialministerin wurde gestern in Berlin zum zweiten Mal der Regine-Hildebrandt-Preis verliehen.

Wöchentlich klicken an die 400 Menschen die Homepage an, die die Brandenburger SPD ursprünglich zu Hildebrandts 60. Geburtstag im April 2001 als Gästebuch eingerichtet hatte. Dass eine Politikerin die Menschen auch zwei Jahre nach ihrem Tod fasziniert, hängt mit dem wachsenden Verdruss über die lebenden Politiker zusammen. Auf der Homepage loben die Schreiber, dass Hildebrandt authentisch und glaubwürdig gewesen sei und die Sprache des Volkes gesprochen habe. In Brandenburgs SPD wirkt die Lücke, die Hildebrandts Tod gerissen hat, bis heute: „Ohne sie ist die SPD nur eine CDUlight“, kommentiert etwa PDSFraktionschef Lothar Bisky, „es fehlt das Engagement für soziale Gerechtigkeit.“ Möglicherweise sehen das auch die Wähler so: „Die SPD stünde besser da, wenn Regine Hildebrandt noch lebte“, sagt Bisky und bezieht das auf die jüngste Kommunalwahl. Der SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness gibt zu, dass „Regine“ die Gabe hatte, den Menschen „auch schlechte Nachrichten zu vermitteln“, und dass die „Stimme des Ostens“ der märkischen SPD fehlt. So wird der Mythos um sie wohl weiter wachsen.

Die 20 000 Euro des Regine-Hildebrandt-Preises gingen dieses Jahr an zwei Vereine, die sich ganz im Sinne der streitbaren Brandenburgerin für benachteiligte Menschen in Ostdeutschland einsetzen. Die „Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus“ betreut Familien behinderter Kinder, und das Frauenzentrum „Regenbogen“ im sächsischen Döbeln engagiert sich für Frauen und vernachlässigte Kinder. ma,jul

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