Der Tagesspiegel : Glücklich getrennt

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ClausDieter Steyer will keine gemeinsamen Wege für Reiter und Radler

ANGEMARKT

Die Vorfreude auf die kommende Ausflugssaison könnte bei Radfahrern und Reitern im Land kaum unterschiedlicher ausfallen. Während die Pferdefreunde schon ihre baldige grenzenlose Freiheit auf allen Wegen feiern, wittern die Radler höchste Gefahren für ihr Hobby. Denn kommt das neue Waldgesetz wie geplant im April durch den Landtag, müssen die Radfahrer vor vielen beliebten Strecken kapitulieren: Sie werden nicht mehr weit kommen, wenn Pferdehufe zuvor den ganzen Boden aufgewühlt haben. Bislang dürfen Reiter nur auf extra gekennzeichneten Wegen unterwegs sein. Im neuen Gesetz, für das die Pferdefreunde in einer Volksinitiative immerhin rund 30000 Unterschriften sammelten, gibt es keine Restriktionen mehr. Reiter und Radler sollen sich alle Wege teilen, was auf den trockenen märkischen Böden allerdings nicht funktioniert.

Beim Blick auf die Brandenburger Landkarte erscheint der Streit zunächst als recht absurd. Viele Gegenden sind inzwischen schon so dünn besiedelt, dass auch die Austragung der Wüstenrallye Paris-Dakar dort kaum ein Problem wäre. Bei dieser Weite müssten sich also Reiter und Radfahrer buchstäblich aus dem Wege gehen können – meint der oberflächliche Betrachter.

Doch die Mehrzahl der rund 500 Reiterhöfe konzentriert sich auf das Berliner Umland, weil die meisten Pferde-Besitzer und -Freunde in der Großstadt zu Hause sind. Auch die Mitglieder der Reitvereine leben vorwiegend in Berlin oder den Vorstadtsiedlungen. Sie wollen vor allem an den Wochenenden mit ihren Lieblingen ausreiten – verständlicherweise auf den schönsten Routen und zu den reizvollsten Zielen. Doch genau dahin wollen auch die Radler. Sie setzen sich in die S- oder Regionalbahn oder packen ihr Gefährt auf’s Autodach, um in die grüne und seenreiche Umgebung der Stadt zu gelangen. So sind die Konflikte absehbar.

Während die Reiter schon seit Jahren eine starke Lobbyarbeit betreiben und sich inzwischen fest auf die Hilfe durch das Agrarministerium verlassen können, scheint der Allgemeine Deutsche Fahrradclub erst jetzt aufzuwachen und seine Kritik am Gesetzentwurf zu formulieren. Der Landestourismusverband ist da schon weiter, der schlimme Folgen für den deutschlandweiten Ruf Brandenburgs als Fahrradland befürchtet. Er will die Landtagsabgeordneten in nächster Zeit noch einmal ins Gebet nehmen, wie es heißt.

Ohne einen Kompromiss ist eine Lösung des Streits wohl nicht zu schaffen. Zumindest im Berliner Umland müssten die Kommunen weiterhin über die Ausweisung von Rad- und Wanderwegen entscheiden können. Reiter und Radler haben zwar ähnliche Interessen – ihre Fortbewegungsmittel sind aber einfach zu unterschiedlich, als dass sie auf ein- und derselben Strecke gemeinsam unterwegs sein können.

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