Golden League : Sayonara Osaka, Grüezi Zürich

Beim Leichtathletik-Meeting "Weltklasse Zürich" am Wochenende ist fast alles vertreten, was Rang und Namen hat. Sprint-Weltmeister Tyson Gay wird ebenso dabei sein wie Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa.

Peter Juny[dpa]
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Auch in Zürich am Start. Sprint-Weltmeister Tyson Gay aus den USA.-Foto: dpa

ZürichFünf Tage nach dem Ende der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Osaka folgt die Weltelite wieder dem Lockruf des Geldes. Beim zur Golden League zählenden Meeting "Weltklasse Zürich" im neuen Stadion Letzigrund, das innerhalb von nur 13 Monaten Bauzeit für umgerechnet 73,5 Millionen Euro mit einem Fassungsvermögen von rund 30.000 Zuschauer entstand, sind bei angehobenen Preisgeldern 1,4 Millionen Dollar zu verdienen. Die Disziplinsieger kassieren 25.000, die Stars üppige Antrittsgelder.  

Die vierte Golden-League-Station steht im Zeichen der WM-Revanchen, denn die Organisatoren haben keine Mühen gescheut, um bei der "Zwei-Stunden-Weltmeisterschaft" exzellente Felder auf die Beine zu stellen. Teilweise wurden die Endkampf-Besetzungen von Osaka verpflichtet, die Startliste in den 16 Wettbewerben bietet alles, was Rang und Namen hat, vom dreifachen Sprint-Weltmeister Tyson Gay (USA) bis zur Stabhochsprung-Überfliegerin Jelena Isinbajewa (Russland). Nur Chinas Volksheld Liu Xiang im Hürdensprint und 100-m-Weltmeisterin Veronica Campell (Jamaika) fehlen von den frisch gekürten Weltmeistern. Bernard Lagat (USA), der erstmals das WM-Doppel über 1500 und 5000 Meter schaffte, läuft die 3000 Meter, Sprint-König Gay testet die "Piste magique" über die kurze Distanz.Stars in Zürich

Kein Revanche-Duell zwischen Gay und Powell

Zum erneuten Duell mit Weltrekordler Asafa Powell (Jamaika), den Gay in Osaka entzaubert hatte, kommt es in Zürich nicht. Powell, der im Vorjahr mit der Weltrekord-Einstellung von 9,77 Sekunden für das Highlight im alten Letzigrund gesorgt hatte, schlug die Offerte der Gastgeber aus. "Wir müssen auch Mut zur Lücke haben, wenn die Forderungen eines Athleten nicht mehr im Verhältnis zu seinem Marktwert stehen", sagte Zürichs Meeting-Direktor Patrick Magyar. Mit Business-Class-Flügen, Begleitpersonen wie Physiotherapeuten, Trainern und sogar PR-Beratern könne er sich abfinden. "Wenn aber jemand gleich viel wert sein soll wie Carl Lewis oder Michael Johnson, muss er auch entsprechende Erfolge aufweisen können." Die für die Athleten-Verpflichtung zuständige Bettina Borner fügte hinzu: "Asafa ist ein großartiger Athlet, hat aber noch nie eine große Meisterschaft gewonnen."

Die Tatsache, dass Zürich auf spannende Duelle statt auf Rekordrennen mit Pacemachern setzt, führte offenbar zum Verzicht von Äthiopiens Langstrecken-As Kenenisa Bekele. Der 10.000-Meter-Weltmeister geht dafür lieber eine Woche später in Brüssel über 25 Stadionrunden auf Weltrekordjagd. Dazu sind auch Isinbajewa oder Hochspringerin Blanka Vlasic (Kroatien) in der Lage, vorausgesetzt, sie können sich nach den anstrengenden Hitzetagen von Japan schnell auf die kühlen Verhältnisse in Europa einstellen.

Mit Isinbajewa, Staffel-Weltmeisterin Sanya Richards (USA), die über ihre Spezialstrecke 400 Meter einen WM-Einzelstart bei den Trials als Vierte verpasst hatte, und deren Landsfrau Michelle Perry über 100 Meter Hürden ist noch ein Trio im Rennen um den Jackpot von einer Million Dollar. Noch drei Siege bis zu diesem großen Zahltag sind notwendig: Nach Zürich auch noch in Brüssel am 14. September und zwei Tage später beim Finale im Berliner Olympiastadion, das 2009 Schauplatz der Weltmeisterschaften ist.