Goldmedaille : Berlinerin Schöneborn gewinnt Modernen Fünfkampf

Die Berlinerin Lena Schöneborn holt in Peking das erste Olympia-Gold für Deutschland im Modernen Fünfkampf seit 72 Jahren.

Peking 2008 - Moderner Fünfkampf - Lena Schöneborn
Die drei vom Treppchen. Lena Schöneborn mit der Britin Heather Fell und der Ukrainerin Viktoria Tereschtschuk.Foto: dpa

Nach einer fantastischen Fecht-Gala, in der sie die Konkurrenz mit dem elektrischen Degen schockte und 28 von 35 Gefechten gewann, sowie einem souveränen Ritt mit dem zugelosten chinesischen Pferd Xingxing geriet der abschließende 3000-m-Geländelauf zu einem triumphalen Schaulauf für die 22-jährige Berlinerin. Leicht und locker trabte sie am Freitag vor 20000 Zuschauern im Pekinger OSC-Stadion über die Ziellinie.

„Das Fechten war der Grundstein. Ich hatte gutes Tempo, eine gute Spitze, es war ein irres Gefühl. Vor dem Lauf war ich mir über eine Medaille sicher. Ich wusste aber, dass die Verfolgerinnen sehr gut sind“, sagte die Olympiasiegerin, die dem kleinsten deutschen Olympia-Verband das zweite Gold nach Gotthard Handrick 1936 bescherte.

Mit insgesamt 5792 Punkten, die sie im Schießen, Fechten, Schwimmen, Reiten und Geländelauf sammelte, verwies die WM-Zweite von 2007 am Freitag die Britin Heather Fell und die Ukrainerin Viktoria Tereschtschuk auf die Plätze zwei und drei. „Ich bin überglücklich. Sie hat schon öfter gut gefochten, aber das war super“, sagte Bundestrainerin Kim Raisner.

Obstkompott und Haferflocken

Auf der Tribüne fielen sich ihr Vater Hans-Joachim Schöneborn und ihr Freund Martin jubelnd in die Arme. „Ich bin am Vortag angereist und sollte ihr drei Dosen Babynahrung mit Obstkompott und Haferflocken mitbringen. Eine konnte ich durchschmuggeln. Jeder Mensch hat eben einen Spleen“, sagte der stolze Vater über seine Tochter. Er führte diesmal eine kleine, aber lautstarke deutsche Fan-Gemeinde an. Auf die übliche Wettkampf-Unterstützung des Familienclans mit Schwestern, Tanten und Cousinen aus dem heimatlichen Niederkassel musste „Gold-Lena„ im fernen China verzichten.

Ein zweiter Spleen, das Kaugummi kauen, half der Berlinerin auf dem Schießstand nicht. „Ich war hypernervös“, gestand Schöneborn nach mäßigen 177 Ringen in der ersten Disziplin. „Zwei, drei Ringe mehr wären besser gewesen“, meinte Raisner. Beim Fechten lief es anfangs auch schlecht. Sie startete mit einem Sieg und drei Niederlagen, darunter eine gegen ihre Teamkollegin Eva Trautmann (Darmstadt), die am Ende 29. wurde. Doch dann platzte der Knoten.

Ursprünglich Schwimmerin

Im Schwimmen geriet die klare Führung nicht in Gefahr. Wie auch. Mit acht Jahren begann die vielseitige Athletin ihre Sport-Karriere beim Schwimmen. Doch dann machte das Bad in Niederkassel zu (Vater Hans-Joachim: „Das ist keine Legende“) und Lena wurde zum Modernen Fünfkampf abgeworben.

Das Reiten, ein Lotteriespiel mit zugelosten Pferden, brachte die endgültige Entscheidung. Nach dem Männer-Wettbewerb am Vortag hatte es Kritik an der Qualität der Pferde gehagelt. „Wir haben mehrere Pferde ausgetauscht. Außerdem wurden die besseren Pferde für drei und nicht wie sonst üblich für zwei Ritte im Parcours ausgelost“, berichtete die Technische Delegierte Hiltrud Reder (Bensheim).  Von dieser Regeländerung profitierte auch Lena Schöneborn. Sie dirigierte Xingxing ganz souverän über die Hindernisse und konnte sich einen Abwurf leisten. Der gelungene Ritt beseitigte alle Zweifel am Olympiasieg. (dpa)


Mehr über den Sieg von Lena Schöneborn und Bilder von ihrem Wettkampf finden Sie im Berliner Olympiablog "Heimvorteil".