Golf von Aden : Geheimdienste: Al Qaida unterstützt Piraten

Es klingt ein bisschen wie eine Verschwörungstheorie: Hinter den zahlreichen Angriffen der Piraten im Golf von Aden soll die Terrororganisation Al Qaida stecken. Doch westliche Geheimdienste haben konkrete Anhaltspunkte für ihre Vermutung.

Friedrich Kuhn[ddp]
Sirius Star Foto: dpa
Die Sirius Star: Der Super-Tanker mit zwei Millionen Barrel Rohöl an Bord befindet sich seit Samstag in der Hand von Piraten. -Foto: dpa

Brüssel/DschibutiWestliche Geheimdienste vermuten angesichts der rasant zunehmenden Angriffe der Seeräuber auf die internationale Schifffahrt im Golf von Aden, dass die Piraten dabei "massiv" von der Terrororganisation Al Qaida unterstützt werden. "Wir bekommen immer eindeutigere Hinweise auf diese Hilfe für die Piraten", war aus Kreisen des französischen Auslandsgeheimdienstes (DGSE) am Freitag in Dschibuti zu erfahren.

"Sonst könnten die Freibeuter ihre Übergriffe auf die Frachter aus aller Welt nicht derartig intensivieren", sagte ein Geheimdienstler. Al Qaida versuche offenbar, nach dem Irak und Afghanistan im Golf von Aden und in den somalischen Gewässern eine dritte Front gegen den Westen aufzubauen. Al Qaida liefere vor allem über den Jemen modernste Waffen, Schiffsausrüstungen und Geräte für die Satellitennavigation oder Laptops an die Piraten.

Terroristen wollen angeblich Seewegsverbindung kappen

Die islamistischen Terroristen, die das vom Bürger- und Clankriegen zerrüttete Somalia immer mehr in den Griff bekommen, wollen nach Einschätzung der Nachrichtendienste einen der wichtigsten Seewege durch den Suezkanal und das Rote Meer sowie durch den Golf von Aden "kappen". Jährlich passieren 20.000 Frachtschiffe und Öltanker die lebenswichtige Verbindung zwischen Europa und Asien. Der Umweg um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas ist zeitraubend und kostentreibend.

Wenn es Al Qaida gelingen würde, den Waren- und Energiefluss zwischen Asien und den europäischen Ländern nachhaltig zu stören, wäre das eine "äußerst gefährliche Entwicklung", hieß es in deutschen Reederkreisen. Deutschland verfügt mit 3350 Frachtschiffen über die weltweit drittgrößte Flotte an Handelsschiffen. Immer öfter heuern jetzt Reeder gegen die Piratenüberfälle am Horn von Afrika private Sicherheitsfirmen an. Die Sicherheitsfirma "DRUM Resources" mit Sitz in London stellt den Reedern Sicherheitspersonal zur Verfügung.

7000 Euro für vier Schiff-Schützer

Der Inhaber der Sicherheitsfirma, Peter Hopkins, berichtete, dass seine auf Piratenangriffe geschulten Männer hauptsächlich aus den Reihen der Royal Marines kommen. "Meine Leute wissen, was sie zu tun haben. Die Piraten wundern sich und verschwinden schnell", schilderte Hopkins. Für die Begleitung durch vier "Anti-Piraten-Männer" muss ein Reeder pro Tag an die 7000 Euro zahlen. Auch die Russen, die Kriegsschiffe in den Golf von Aden schicken, haben Reedern Begleitschutz angeboten. Der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin hat sogar vorgeschlagen, nicht nur auf See, sondern auch an Land gegen die Piraten vorzugehen.

Solche Überlegungen wurden bei der Europäischen Union (EU) in Brüssel umgehend zurückgewiesen. Sie will Anfang Dezember einen eigenen Flottenverband an das Horn von Afrika schicken. "Wenn wir tatsächlich die Piraten nach der Flucht von ihren Schiffen an Land verfolgen würden, käme es unweigerlich zu Konfrontationen mit den Kämpfern von Al-Qaida", erläuterte ein EU-Diplomat. Die Welt sei nicht bereit, sich abermals nach Somalia zu wagen.

Die Situation muss bald in den Griff zu bekommen sein

Der Diplomat erinnerte daran, dass 1993 eine internationale Befriedungsaktion des Westens, an der auch die Bundeswehr beteiligt war, gescheitert ist. Nach dem Abschuss von drei US-Hubschraubern in Mogadischu war ein toter GI vom Mob vor laufenden Kameras durch die Straßen von Mogadischu geschleift worden. Seit die UN-Truppen damals vertrieben wurden, entwickelte sich Somalia zum idealen Rückzugs- und Aufmarschgebiet für Terroristen. Nicht nur die Kämpfer von Osama Bin Laden nisteten sich ein, sondern auch die Fundamentalisten der Al-Ittihad Al Islamija, die einen Gottesstaat anstreben. Gerade haben die Islamisten ihre Macht besonders im Südwesten Somalias gefestigt.

"Wir dürfen uns nach dem Irak und Afghanistan nicht auf einen dritten Kriegsschauplatz zu Land einlassen", meinten US-Offiziere in Dschibuti. Der Nachschub von Al Qaida für die Piraten über See müsse unterbunden werden. Die Offiziere begrüßten es, dass jetzt auch die Russen im Golf von Aden aufkreuzen. Die Kriegsschiffe von Nato und EU "müssen die für die internationale Schifffahrt gefährliche Situation bald in den Griff bekommen", betonten die Marineoffiziere.