Der Tagesspiegel : Grenzturm mit Zukunft

Verein pflegt Zeugnis des Übergangs Dreilinden

Helmut Caspar

Potsdam - Vom früheren Grenzübergang Dreilinden ist so gut wie nichts geblieben – nur der Turm, in dem der Kommandant saß, ist dem Abriss nach der Wende entgangen, dazu eine hohe weiße Stele, die einst das DDR-Wappen mit Hammer und Zirkel trug. Diese Reste wurden 1994 unter Denkmalschutz gestellt – und der Turm soll bald wieder genutzt werden: als Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Dafür setzt sich der 1998 gegründete Verein „Checkpoint Bravo“ ein; sein Vorsitzender Peter Boeger denkt dabei vor allem an Schüler und Jugendliche, für die die Mauerzeiten bereits ziemlich ferne Geschichte sind. Mit dem „Europarc Dreilinden“ – dem im früheren Grenzbereich entstandenen Gewerbegebiet, zu dem der Turm gehört – verhandelt Boeger über eine kostenfreie Nutzung. Der Europarc würde dem Verein das Gebäude auch für 25 Jahre überlassen – unter der Voraussetzung, dass es bis 2007 saniert ist. „Das schaffen wir nicht“, sagt Boeger, „wir können nur in kleinen Schritten arbeiten.“ Er hofft nun auf die Unterstützung der neuen Landesregierung; das Brandenburger Landesdenkmalamt hat seine Hilfe schon zugesichert.

Rund 90000 Euro dürfte die fachgerechte Restaurierung kosten. Vereinsmitglieder haben den graffitiüberzogenen Turm bereits entrümpelt und baulich gesichert. Johannes Cramer, Professor an der Technischen Universität Berlin, arbeitet an der Dokumentation des Ist-Zustandes des Turmes und ist auch bei der weiteren Bauplanung dabei. Peter Boeger hofft auf Sponsorengelder und Spenden. Die Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur stellte dem Verein im laufenden Jahr bereits 5200 Euro für die Beschaffung von Vitrinen und Ausstellungstechnik zur Verfügung.

Reichlich Anschauungsmaterial für die geplante Ausstellung jedenfalls gebe es, sagt Boeger: Uniformen und Waffen der Grenztruppen, Passierscheine und Stempel, ferner Peitschenlampen, Zaunfragmente, Hinweis- und Warnschilder. Dokumente und Fotos aus dem Bundesarchiv und der Birthler-Behörde könnten von gescheiterten und geglückten Fluchtversuchen berichten.

Zum 15. Jahrestag des Mauerfalls im November will Boeger den Turm ein erstes Mal provisorisch öffnen und der Öffentlichkeit vorstellen.

Der Verein Checkpoint Bravo ist unter Tel. 033203/70768 zu erreichen.

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