Griebnitzsee : Naturschützer lassen Wald neu definieren

Fällungen in Zehlendorf und am Griebnitzsee: Der BUND zieht im Kampf um Bäume vor Gericht.

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Berliner Naturschützer begeben sich bei ihrem Kampf um Flora und Fauna zunehmend auf juristisches Terrain. Erst ein Baum ab einem Umfang von 80 Zentimetern und einer Höhe von 1,3 Metern gilt als schützenswert. Dann benötigt man zur Fällung eine Genehmigung. Doch selbst die hätte dem Wald auf dem ehemaligen Forschungsgelände der Technischen Universität am Kehler Weg in Zehlendorf nichts geholfen. Denn die meisten der dort vergangene Woche gefällten Bäume fielen nicht unter die Größendefinition der Baumschutzverordnung.

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„Insgesamt acht Bäume, darunter eine Eiche, ein Ahorn und zwei Pappeln, wurden illegal gefällt“, lautet die Bilanz von Baustadtrat Uwe Stäglin. Das Bezirksamt ermittle jetzt gegen die ausführende Firma. Wie hoch die Bußgelder ausfallen, ist noch unklar. Bis zu 50 000 Euro können maximal verhängt werden. Die Universität hatte das Gelände kurz zuvor verkauft – eine Schlappe für die Naturschützer. Forscher hatten bis zuletzt für die Erhaltung des Waldes gekämpft. Doch der ist rein juristisch gar keiner. „Das ist kein Waldgrundstück”, sagt Elmar Kilz, Leiter des Forstamts Grunewald. Damit fällt es auch nicht unter das Waldgesetz, das bei Baumaßnahmen höhere Anforderungen an den Naturschutz stellt.

Hier sehen die Aktivisten des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Nachholbedarf. Was als Wald gilt, sei für Berlin nirgendwo klar definiert. „Wir wollen diese Frage jetzt prinzipiell klären”, sagt Naturschutzexperte Herbert Lohner. „Es gibt Urteile, die schon bei 2000 Quadratmetern von Wald ausgehen.”

Für ihr Exempel haben sich die Umweltschützer das Bauprojekt „Tilia Living Ressort“ am Griebnitzsee der Unternehmensgruppe Stofanel ausgesucht. Hinter dem Namen verbergen sich die Modedesignerin Giovanna Stefanel und der Münchner Bauunternehmer Ludwig Maximilian Stoffel. Das Ehepaar will auf einer über 33 000 Quadratmeter großen Fläche am Rande eines Naturschutzgebiets 50 Einfamilienhäuser und Villen rund um einen künstlich angelegten See bauen. Der Verkauf der zwischen 375 000 und 1,4 Millionen Euro teuren Objekte läuft bereits. Durch eine Eilklage beim Verwaltungsgericht hat der BUND den Bau vorläufig gestoppt. Beklagte sind die Berliner Forsten, nicht der Investor. Wäre das Grundstück, ein einstiger Campingplatz, als Wald eingestuft, hätten die Bauarbeiten ohne Prüfung nicht beginnen dürfen. Die Berliner Forsten sehen keinen Handlungsbedarf: „Wir haben 2008 dem Bezirk die fachliche Einschätzung gegeben, dass es sich nicht um Wald handelt. Daran hat sich nichts geändert”, sagt Sprecher Marc Franusch.

Der BUND hatte außerdem Vorwürfe erhoben, „Stofanel“ habe Nistkästen und -höhlen zugenagelt und lasse Tiere verhungern. BUND-Geschäftsführer Andreas Jarfe rudert nun zurück: „Ob Tiere in den Baumhöhlen waren, kann ich nicht sagen.” „Die Vorwürfe haben sich nicht bestätigt“, sagt Baustadtrat Stäglin. „Stofanel“ hat jetzt gegen die Zwischenverfügung Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingereicht. Wie ein Sprecher sagte, soll zeitnah entschieden werden. Daniela Englert

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