Griebnitzsee : Uferweg soll aufs Wasser

Vor den gesperrten Griebnitzsee-Grundstücken will die Stadt einen Steg bauen. So könnten Fußgänger wieder die beliebte Ausflugsstrecke nutzen.

Michael Erbach
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20 Jahre nach dem Mauerfall ist der ehemalige Kolonnenweg am Potsdamer Griebnitzsee wieder Sperrgebiet. -Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der Machtkampf zwischen der Stadtverwaltung und Grundstückseigentümern am Griebnitzsee hat eine neue Stufe erreicht: Nach Angaben von Wolfgang Hadlich, Leiter des Büros von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), hat die Stadt beim zuständigen Wasserstraßenamt in Berlin die Errichtung einer mehrere hundert Meter langen Steganlage beantragt. Diese soll in dem Bereich über das Wasser führen, wo die Grundstückseigentümer den Uferweg gesperrt haben. Mit dem Steg könnten diese Grundstücke auf dem Wasserweg umrundet werden und der Uferbereich des Griebnitzsees wieder durchgängig öffentlich genutzt werden – so wie dies 19 Jahre lang möglich war.

Wie berichtet, hat die Stadt Potsdam, die am Griebnitzseeufer – dem früheren Sperrgebiet der DDR-Grenztruppen – einen öffentlichen Uferpark plant, acht Anwohnern Kaufangebote für ihre Grundstücke unterbreitet. Dieser Schritt war notwendig geworden, weil das Oberverwaltungsgericht in Berlin den acht Betroffenen bestätigte, dass es sich bei ihren Grundstücken um privates Gartenland handelt und es keine Betretungsrechte für die Bevölkerung gäbe. Daraufhin hatten die Anlieger den Uferweg gesperrt. Erste Anlieger haben mittlerweile damit begonnen, den Uferweg auf ihren abgesperrten Grundstücken mit Baggern zu beseitigen. Wie Büroleiter Hadlich sagte, müsse die Stadt dies „ertragen“, weil selbst der vorhandene Bebauungsplan keine Möglichkeit zum Einschreiten biete.

Hadlich nannte keine weiteren Einzelheiten zu dem Antrag, verwies aber darauf, „dass die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern oberste Priorität haben“. Sollte der Steg genehmigt werden, sei es nicht vorgesehen, ihn sofort zu errichten. Der Steg sei lediglich eine „Option“ für den Fall, dass die Verhandlungen mit den Eigentümern scheiterten.

Bei den kommenden Verhandlungen geht es um die Genehmigung zum Durchqueren der Grundstücke oder um den Kauf notwendiger Grundstücke. Zugleich hatte Jakobs angekündigt, Enteignungen in die Wege zu leiten, falls die Verhandlungen scheitern. Er kann sich dabei auf einen Beschluss der Stadtverordneten stützen.

Am Wochenende hatte es Proteste von Anwohnern gegen die Schließung des Uferwegs gegeben. Wie der Verein „Griebnitzsee für alle“ mitteilte, ist der Filmregisseur und Oskar-Preisträger Volker Schlöndorff dem Verein beigetreten. Schlöndorff ist See-Anrainer und hatte den Weg als Joggingstrecke genutzt.

Bei der Bundesgartenschau am Schweriner Seeufer ist derzeit ein Steg zu sehen, der sich auch für den Griebnitzsee eignen würde. Möglicherweise könnte Potsdam auf diesen zurückgreifen. Der Steg soll verkauft werden.

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