Grönland-Reise : Merkel wirbt für Klimaschutz

Bundeskanzlerin Merkel hat bei ihrer Reise nach Grönland für verstärkte Anstrengungen gegen den Klimawandel geworben. Im Rahmen der UN will sie auch Schwellenländer wie Indien und China einbinden. Die Opposition kritisierte die Reise.

Merkel Grönland
"Entscheidende Jahre": Bundeskanzlerin Merkel will den Klimaschutz vorantreiben. -Foto: dpa

IlulissatBundeskanzlerin Merkel hat auf ihrer Grönland-Reise weitere weltweite Anstrengungen für den Klimaschutz gefordert. "Ich glaube, dass vor uns für die Bekämpfung des Klimawandels sehr entscheidende Jahre liegen", sagte sie im westgrönländischen Ilulissat. Deutschland werde auch im zweiten Halbjahr der G8-Präsidentschaft das Thema vorantreiben und sich in den laufenden internationalen Bemühungen auf der Vereinten Nationen mitengagieren.

Merkel hatte zuvor gemeinsam mit Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und dem dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen auf einer Schiffstour den mit Eisbergen gefüllten Ilulissat-Fjord besichtigt. Die Zahl der Eisberge ist in den vergangenen Jahren dort nach Beobachtungen von Wissenschaftlern stark angestiegen. Grund: Vom Ilulissat-Geltscher bricht aufgrund der wärmeren Temperaturen auf der Insel immer mehr Eis in den Fjord. Der Gletscher ist in den vergangenen Jahren rapid zurückgegangen.

Merkel verteidigte auch auf der Pressekonferenz ihre Reise noch einmal. Der Besuch diene auch dazu, den Menschen in Deutschland sichtbar zu machen, mit welcher Geschwindigkeit in anderen Regionen die Klimaerwärmung auch Folgen zeigt. Die Opposition hatte zuvor die Reise Merkels stark kritisiert.

Bütikofer fordert solides Handwerk

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer monierte: "Die Reisegruppe Merkel/Gabriel wird im schmelzenden Grönlandeis nicht das finden, das sie am dringendsten bräuchte: die politische Entschlossenheit zum konsequenten Handeln gegen den Klimawandel. Die Reise ist eine Flucht in die Inszenierung." Nötig wäre stattdessen "solides politisches Handwerk, um die Hindernisse für eine Klimapolitik ohne Wenn und Aber an dem Ort zu überwinden, wo das nur geht: zu Hause".

Auch FDP-Chef Guido Westerwelle warnte: "Natürlich ist es immer richtig, wenn die Kanzlerin ins Ausland reist, aber es ist ein historischer Fehler, die Umweltpolitik auf Symbolik zu beschränken." Die Regierung sollte sich lieber fragen, "wieso auf dem G8-Gipfel alle anderen Regierungen auf den Ausbau der Kernenergie setzen und nur Deutschland einen schwarz-rot-grünen Sonderweg beschreiten soll", sagte Westerwelle.

Veränderungen in der Natur sichtbar machen

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch, sagte: "Wenn Frau Merkel meint, sie muss nach Grönland fahren, um sich vor Ort über die Auswirkungen des Klimawandels zu informieren, soll sie das tun. Reisen bildet." Die Kanzlerin habe sich sehr hohe Ziele im Kampf gegen den Klimawandel gesteckt. "Wir hoffen, dass sie sie erreichen kann."

Merkel sagte hingegen, es gelte größere Schäden durch die Klimaerwärmung zu vermeiden und die Menschen zu überzeugen, dass ein konsequentes Eintreten für den Klimaschutz notwendig ist. "Wir müssen sichtbar machen, was in unserer Natur passiert."

Konsultationen mit China und Indien

Nach Merkels Worten soll es auch im Anschluss an die UN-Generalversammlung eine weitere Begegnung von Unterhändlern der führenden Wirtschaftsnationen der Welt und aufstrebenden Schwellenländer wie China und Indien geben. Damit will die deutsche G8-Präsidentnschaft den weltweiten Klimaschutzprozess vor der Konferenz in Bali weiter vorantreiben.

Rasmussen trat dafür ein, dass in den anstehenden internationalen Verhandlungen ambitionierte Ziele verfolgt werden. Merkel wird sich auf einem Hubschrauber-Rundflug am Freitag weiter über die Situation auf Grönland informieren. In der Nacht zum Samstag wird sie nach Deutschland zurückkehren. (mit dpa)