Groß Glienicke : Barrikade am See

Spaziergänger ärgern sich über Absperrungen in Groß Glienicke. Einen ähnlichen Streit gibt es auch in Kleinmachnow.

Alexander Fröhlich,Peter Könnicke

Frau S. weiß nicht recht, was sie von dem gesperrten Weg vor ihrem Gartenzaun halten soll. Drei ihrer Nachbarn in der Straße „Am Seeblick“ haben am Sonnabend an der Südseite des Groß Glienicker Sees, direkt an Berlins westlichem Stadtrand, den zu ihren Grundstücken gehörenden Uferweg abgesperrt. S.'s kleine Tochter jedenfalls war empört und wollte die Polizei holen – weil sie jetzt nicht mehr auf dem Uferweg herumtollen kann.

Wer von der Uferpromenade am Westufer des Sees in Richtung Kladow spazieren will, kommt nicht weiter. Villenbesitzer haben mit einem Bauzaun, Ästen und Gestrüpp den Trampelpfad abgesperrt. „Privat, Betreten verboten“, steht auf einem Schild. Niemand von ihnen öffnet die Tür. Dafür schauen sich Mitarbeiter der Stadt Potsdam alles an und fotografieren. Ein Debakel wie beim Uferweg am Griebnitzsee will sich die Stadt nicht antun.

„Ich bin zwiespältig“, sagt S. Auch sie überlege mit ihrem Mann, ob sie den schmalen Uferstreifen zwischen ihrem Gartenzaun und dem See kaufen soll – das würde den Wert des Grundstücks steigern. Derzeit hat die idyllische Wohnlage am See nämlich auch eine Kehrseite: Am Wochenende, wenn die Familie am Frühstückstisch oder im Garten sitzt, steht sie unter Beobachtung der Spaziergänger. Vermutlich auch deshalb haben die Nachbarn den Weg dichtgemacht, wobei nur einer die Barriere aufgebaut hat. Von Kladow aus verbietet lediglich ein Schild das Betreten. Durch eine Lücke führt der Weg über einen mit Natursteinen, Blumen und gepflegtem Rasen hergerichteten Garten weiter zum nächsten Grundstück. Auf dem zweiten Grundstück führt der Weg an einem Zaun entlang und endet schließlich wieder an einer Absperrung. Kein Durchkommen gibt es nur an einem Grundstück, der Besitzer hat den Uferweg an zwei Seiten verbarrikadiert. Einige Radfahrer drehen daher gleich ab. Eine ältere Dame aus Berlin, die im See badet, ärgert sich. Das 2,5 Kilometer lange Westufer ist noch frei.

Die Stadt Potsdam will gegen nicht genehmigte Zäune vorgehen. Falls die Gerichte eingeschaltet werden, könnte sich das über Jahre hinziehen. Zudem verhandelt die Stadt mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben über den Kauf von 20 000 Quadratmetern. Gestern war von einem annehmbaren Angebot die Rede.

Harmloser stellt sich die Situation am ehemaligen Grenzstreifen am Buschgrabensee in Kleinmachnow dar. Dort, wo einst die Mauer stand und die Erben der Alteigentümer sich gegen den Widerstand vieler Kleinmachnower um die Bebauung bemühen, steht seit einigen Tagen ein Zaun. Kleinmachnower, die das Buschgrabengebiet als Naherholungs- und Hundeauslaufgebiet nutzen, beklagen begrenzten Zugang. Man fühlt sich an alte Mauerzeiten erinnert, sodass jemand verärgert ein Schild postierte: „Achtung! Sie verlassen West-Berlin“.

Dass in der Erbengemeinschaft niemand Interesse hat, eine Mauer zu errichten, betont Alexander Gérad. Die drei Hektar große Fläche des zehn Hektar großen Terrains sei für eine landwirtschaftliche Nutzung verpachtet worden. Um „Rotklee und Luzerne“ ungehindert wachsen zu lassen, sei das Gebiet eingezäunt worden. Als Reaktion auf die bislang von der Gemeinde abgelehnten Siedlungspläne sei der beschränkte Zugang nicht zu verstehen, beteuert Gérad. Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) sagt, dass die Kommune künftig eine Bebauung des Buschgrabengebiets nicht befürworten wird.

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