Groß Glienicke : Der alte Grenzzaun steht wieder

Erneut riegelt ein Anrainer am Groß Glienicker See den Uferweg ab. Diesmal mit einer Absperrung, die einst die Mauer sicherte.

Sabine Schicketanz
Mit etlichen Metern des alten DDR-Grenzzauns hat Johann Huber an seinem Grundstück den Uferweg am Groß Glienicker See gesperrt. Foto: Sabine Schicketanz
Mit etlichen Metern des alten DDR-Grenzzauns hat Johann Huber an seinem Grundstück den Uferweg am Groß Glienicker See gesperrt.Foto: Sabine Schicketanz

Groß Glienicke - Im Uferkonflikt in Groß Glienicke kochen die Emotionen hoch: Erneut hat ein Seeanrainer den Uferweg abgeriegelt – mit vielen Metern Metallzaun, der einst die Berliner Mauer gesichert hat. Der Zaun steht nun dort, wo einst am Groß Glienicker See die deutsch-deutsche Grenze verlief, abgesperrt ist der Uferweg, der nach dem Mauerfall auf dem Kolonnenweg der DDR-Grenzer entstanden war. Die Spaziergänger am Pfingstmontag müssen vor der Absperrung Richtung Ufer ausweichen. Dort führt ein Trampelpfad entlang. Einige regen sich über die Sperrung auf, andere darüber, dass an diesem Ort jetzt wieder ein Grenzzaun steht.

Johann Huber ist das egal. Er ist 73, seit 1989 wohnt er mit seiner Frau Renate am See, den Grenzzaun hat er nach der Wende günstig gekauft. „Leutnant“ habe deshalb ein Spaziergänger zu ihm gesagt, „aber da mache ich mir nichts draus“. Der Zaun sei von guter Qualität, er roste nicht, sagt Huber. Mit der Absperrung wolle er seiner Forderung an die Stadt Potsdam Nachdruck verleihen, den Uferweg Richtung Wasser zu verschieben. Dann werde sein Grundstück nicht mehr vom Weg halbiert. Dem habe die Stadt mehrfach zugestimmt, doch die Verantwortlichen hätten ihr Wort nicht gehalten. Plötzlich heiße es, wegen des Naturschutzes könne der Weg nicht verlegt werden. Er habe nichts gegen einen Weg, sagt Huber – eine öffentliche Widmung aber, wie sie die Stadtverwaltung fordert, lehnt der Rentner ab. „Dann würde mein Grundstück an Wert verlieren, es wäre ja kein Wassergrundstück mehr.“

Huber und seine Frau gehören zu den wenigen am Groß Glienicker Ufer, denen ihr Land schon vor der Wende gehörte. In den 1930er Jahren hätten seine Schwiegereltern das Grundstück gekauft, seien für den Mauerbau von der DDR entschädigt worden, sagt Huber. 1600 Quadratmeter am Ufer habe der Staat genommen, acht Pfennig pro Quadratmeter dafür gezahlt. Nach 1990 konnte Huber das Land zurückkaufen, für acht D-Mark pro Quadratmeter - ein Viertel des Verkehrswertes. Mit der Stadt Potsdam liegt Huber schon seit Jahren im Clinch. Mal geht es um zu hohe Zäune, mal um einen Taubenzuchtcontainer, der versetzt werden muss.

Wie lange der Zaun stehen wird, ist unklar. Die Stadtverwaltung will die Räumung anordnen, das Verwaltungsgericht hat bereits entschieden, dass Zäune im Landschaftsschutzgebiet am Ufer nicht rechtens sind. Sicher ist: Hubers Grenzzaun ist eine Hürde mehr auf dem Weg zu einem freien Uferweg. Jüngst hatte die Verwaltung die Verhandlungen mit den rund 40 Anrainern für gescheitert erklärt. Dabei ging es um die öffentliche Widmung, der jeder Grundstücksbesitzer zustimmen müsste - denn die Gemeinde hatte es nach der Wende versäumt, den Weg zu widmen. Er ist allerdings im gültigen Bebauungsplan verzeichnet. Der Plan soll teilweise verändert werden, um den Privaten entgegenzukommen.

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