Großbrand : Verbrannte Erde in der Nachbarschaft

Nach dem Feuer in der Internationalen Grundschule in Potsdam-Babelsberg wehren sich die Anwohner gegen Verdächtigungen.

Sandra Dassler
Brand Schule
Tatort Schule: Schon kurz nach den Löscharbeiten begannen die Ermittlungen der Polizei zwischen den Trümmern.Foto: Dassler

Potsdam"Hau’n Sie bloß ab.“ Die beiden Männer, die in T-Shirts auf einem Grundstück in der August-Bier-Straße in Potsdam-Babelsberg arbeiten, lassen nicht mit sich reden. In ihrer Straße ist am Dienstag die Internationale Grundschule fast völlig niedergebrannt. Vorsätzliche Brandstiftung sei es gewesen, sagt die Polizei. Und es gibt Leute, die sich vorstellen können, dass die Täter Nachbarn waren, die sich durch die Schule gestört fühlten. "Schämen sollen die sich, so etwas in die Welt zu setzen“, ruft einer der beiden T-Shirt-Männer: "Wir werden alle als Brandstifter abgestempelt.“

Das scheint ein wenig übertrieben, aber viele Anwohner der August-Bier-Straße haben die Äußerungen von Heike Dietzel so interpretiert. Dabei hatte die Geschäftsführerin der Internationalen Grundschule niemanden beschuldigt, sondern nach dem Brand lediglich berichtet, dass von einer guten oder auch nur normalen Nachbarschaft hier keine Rede sein konnte. Immer wieder hätten sich Anwohner über den Lärm in der vor zwei Jahren eröffneten Privatschule beschwert. Schon mehrfach habe es in der Vergangenheit gebrannt, Autoreifen seien zerstochen und ein Trampolin zerstört worden.

Anwohner ratlos

"Das mag sein, aber das haben doch nicht die Anwohner getan“, sagt Heinz Kretschmar. Der 78-Jährige hat früher in der Straße gewohnt. Dann erhielt der Alteigentümer das Haus zurück und Kretschmar zog aus. Nur einen Garten hat er hier noch, deshalb ist er öfter in der Gegend. Die gehört zu den besseren in Potsdam. Abgesehen von ein paar bescheidenen kleinen Flachdach-Häusern aus DDR-Zeiten stehen hier nur edel sanierte Villen. Sie sind umgeben von riesigen Grundstücken mit alten, hohen Bäumen. Der Griebnitzsee ist gleich um die Ecke. Hier leben einige Millionäre, auch viele Promis. Es ist sehr grün hier und sehr ruhig.

"Natürlich machen Schulkinder ein wenig Krach, natürlich stört das den einen oder anderen beim Mittagsschlaf, aber deshalb steckt doch niemand eine Schule an“, sagt Heinz Kretschmar. Seine Frau bringt frische Kartoffeln und einen Salatkopf aus dem Garten: "Die meisten Leute hier sind doch alt“, sagt sie: "Keinem unserer Nachbarn traue ich so etwas zu.“

Vor dem Tor zur Schule bremsen zwei kleine Mädchen mit roten Helmen und hellen Sommerkleidchen ihre Fahrräder. Ein älterer Herr folgt ihnen: "Man kann nicht mehr rein, Opa“, sagt die siebenjährige Lilly. Sie hat ihr Zeugnis wegen der Zerstörung der Schule gestern an einem anderen Ort erhalten und erzählt ganz aufgeregt, wie ihre Lehrerin am Dienstagmorgen anrief und vom Brand berichtete.

"Der blanke Hass ist uns entgegengeschlagen"

Lillys Schwester Friederike, die sich selbst lieber Fritzi nennt, nickt eifrig. Sie kommt im August in die Schule, die dann – wie schon länger geplant – an einen anderen Standort gezogen sein wird. Es sei eine gute, bilinguale Schule, die sich an der Montessori-Pädagogik orientiere, sagt der Großvater. Die Kinder würden auch in Englisch unterrichtet. Deshalb kommen Lilly und Fritzi aus Berlin hierher. Allerdings hätten ihm die Eltern seiner Enkel berichtet, dass die Anwohner nicht erfreut über die Kinder gewesen seien, erzählt der Großvater. Da hätte es auch schon mal Kratzer an Autos gegeben oder es seien böse Bemerkungen gefallen.

"Der blanke Hass ist uns entgegengeschlagen“, sagt Geschäftsführerin Heike Dietzel: "Wir haben auf Bitten der Stadtverwaltung immer den Mund gehalten, aber jetzt ist Schluss. Die Lehrerinnen wurden beschimpft, und Siegfried Reinsch, ein benachbarter Pensionsbesitzer, hat allen Ernstes vorgeschlagen, wir sollten doch behinderte Kinder aufnehmen, weil die nicht so viel Lärm machen.“

Empört über Verdächtigungen

Reinsch betreibt die Apart-Pension Babelsberg. Seine Frau Marion schüttelt den Kopf: "Ich habe nicht schlafen können, so empört war ich darüber, dass man uns und andere Anwohner verdächtigt“, sagt sie. „Natürlich war es manchmal laut, die bringen den Kindern ja wenig Normen bei. Aber wirklich aufgeregt haben sich unsere Gäste nur einmal, als um 5.30 Uhr ein Trommelwirbel aus der Schule ertönte. Ja, da haben wir uns beschwert. Aber wir würden nie ein Feuer legen. Außerdem war doch klar, dass die Schule schließt.“

Allerdings sollte dafür eine Kita eingerichtet werden. Vielleicht habe das jemanden gestört, heißt es in Ermittlerkreisen. Gestern gab die Polizei bekannt, dass auf dem Schulhof Autoreifen in Brand gesteckt wurden; zum zweiten Mal in wenigen Wochen. Diesmal aber haben die Flammen auf das Gebäude übergegriffen.

"Das waren diese megaspießigen Villenheinis“, sagen vier Jugendliche, die in schwarzen Kapuzenshirts durch die nahe Karl-Marx-Straße schlendern. Ein Bauarbeiter, der bei Aufräumarbeiten in der Schule geholfen hat, pflichtet ihnen bei: "Früher war hier ein Jugendklub. Da war ich oft. Und da hat man mir schon vor 20 Jahren die Reifen am Moped zerstochen.“

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