Der Tagesspiegel : Großes Spiel an der Oder

Frankfurt hat einen Investor für ein Casino mit Fünf-Sterne-Hotel gefunden

Claus-Dieter Steyer

Frankfurt (Oder) - Nachdem es mit einer Fabrik für Chips nicht geklappt hat, will Frankfurt (Oder) nun mit Jetons sein Glück versuchen. Eine Spielbank mit Fünf-Sterne-Hotel und ein Casinoschiff sollen die Lage in der Stadt aufhellen. Rund 60 Millionen Euro will die US- Firma „East West Private Equity Group“ investieren, bestätigte Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU). „Dem Investor fehlt nur noch ein Partner, der das Know-how fürs Casino-Geschäft mitbringt.“ Die Stadt selbst müsse zu dem Vorhaben keinen Cent zuschießen. „Da wäre es doch geradezu sträflich, wenn wir auf die Investition verzichten würden“, meinte Patzelt.

In „absehbarer Zeit“ rechne er mit einem Vertragsabschluss mit den US-Unternehmern. Der Hotel-Standort werde noch nicht verraten. Der Oberbürgermeister hat sich kürzlich von den Stadtverordneten zum Geschäftsführer einer städtischen Spielbankengesellschaft wählen lassen. Er wolle damit das seit mehr als zehn Jahren in der Stadt diskutierte Vorhaben voranbringen. Lange Zeit wollte Frankfurt einen alten Gasometer zum Casino umbauen. Nun soll das Brandenburger Innenministerium bis Ende des Jahres die Konzession für ein Casino in der Oderstadt erteilen. Dabei dürfte es keine großen Schwierigkeiten geben. Das 1996 verabschiedete Spielbankgesetz des Landes sieht als mögliche Standorte die Städte Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus vor. Tatsächlich rollen in der Potsdamer Schlossstraße schon eine ganze Weile die Kugeln beim Roulette. Im Erdgeschoss des Gebäudes stehen zusätzlich 80 Glücksspielautomaten. Etwa die gleiche Zahl dieser „einarmigen Banditen“ findet der Gast in der Cottbuser Spielbank, die nur Automaten-Spiele anbietet.

Frankfurt will wie Potsdam das so genannte Große Spiel veranstalten. Betreiber der beiden bestehenden Spielhallen ist die Brandenburger Spielbanken GmbH, eine Tochter der Lotto-Gesellschaft. Sie führt den größten Teil der Einnahmen an den Landeshaushalt ab. 15 Prozent der Bruttoerträge gehen an die jeweilige Stadt. Im Vorjahr konnten sich Potsdam und Cottbus über rund eine halbe Millionen Euro freuen.

Nicht nur darauf spekuliert der Oberbürgermeister. „Ein Casino und ein Fünf- Sterne-Hotel locken neue Gäste an und verbessern das Image.“ An ihn seien viele Interessenten herangetreten, so dass er von einer großen Nachfrage nach dem Glücksspiel in seiner Stadt ausgehe.

Skeptisch über die Frankfurter Pläne äußert sich dagegen die Interessen- und Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Spielbanken. „Die große Zeit der Tisch- Spiele ist vorbei“, sagt Sprecher Matthias Hein. „70 bis 75 Prozent der Umsätze in den Spielcasinos werden bundesweit mit Automaten verdient.“ Roulette-Angebote kosteten einfach zu viel Geld, denn es müssten eine Rezeption, eine Kasse und andere Dinge bezahlt werden. Dazu kämen die Ausgaben für die Croupiers.

Er könne sich nicht vorstellen, dass sich seriöse in- oder ausländische Casino-Betreiber gerade in Frankfurt engagieren. „Da ist das Einzugsgebiet viel zu klein, zumal am östlichen Oderufer Spielbanken viel preiswerter zu betreiben sind.“ Tatsächlich gibt es in Slubice auf der östlichen Oderseite seit Jahren bereits ein Spielcasino, das dem Augenschein nach zu 90 Prozent von deutschen Gästen lebt. Gleich nebenan befinden sich diverse Nachtclubs und Bordelle.

Vor einigen Monaten war die Firma Trump Hotel & Casino Resorts als möglicher Betreiber der Spielbank gehandelt worden. Doch das Unternehmen des Milliardärs Donald Trump meldete im August Insolvenz an. Seitdem suchen Frankfurt und der US-Investor nach einem anderen Betreiber.

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