Großflughafen BBI : Die Bauanträge kommen im Kleinlaster

Was immer am Großflughafen BBI entsteht – ein Amt muss all diese Akten bearbeiten.

Lars Hartfelder
254297_0_acb509e8.jpeg
Herr der Ordner. Amtschef Burkhardt Meißner in seinem Büro. Foto: Hartfelder

Königs WusterhausenErst wälzten die Landesbehörden die Akten für den Bau des neuen Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI). Jetzt kommen die Mitarbeiter des Bauordnungsamtes Dahme-Spreewald aus der Arbeit nicht mehr heraus. Wer in Schönefeld einen Stein in den Boden setzen möchte, kommt an Burkhardt Meißner und seiner Crew nicht vorbei. Der Bereichsleiter des Bauordnungsamtes Dahme-Spreewald und seine Mitarbeiter sind für fast alle Genehmigungen auf dem rund 2000 Fußballfelder großen Airport-Gelände zuständig. Hunderte Ordner wurden von der Verwaltung bereits bearbeitet. Dem Landkreis hat dies mehrere Millionen Euro an Gebühren eingebracht.

Ein Kleintransporter hält in der Brückenstraße von Königs Wusterhausen vor einem unscheinbaren Plattenbau, in dem sich die Baubehörde des Landkreises befindet. Zwei Männer tragen Umzugskisten mit Ordnern in den vierten Stock. Hier laufen die Fäden für die Baugenehmigungen zum BBI zusammen. Der 55-jährige Meißner leitet die Unterlagen an die Fachabteilungen der Landesbehörden und der Kreisverwaltung weiter: „Jedes Detail muss individuell geprüft werden.“ Rund 30 Mitarbeiter der Kreisverwaltung von Ordnungs- bis Umweltamt sind zeitweise mit den Anträgen beschäftigt, weshalb alle Akten in zehnfacher Ausfertigung eingereicht werden müssen. Wesentlichen Einfluss auf das Verfahren haben auch die Stellungnahmen der Luftfahrtbehörden und des Landesamtes für Arbeitsschutz.

Der Bauantrag zum neuen, 22 Hektar großen Terminal umfasste allein 21 Ordner, bestehend teilweise aus mehreren hundert Seiten. „Das war bisher die größte Herausforderung“, sagt Meißner. Schließlich gebe es für den Bau eines Terminals keine gesonderten Verordnungen, wohingegen der Gesetzgeber beispielsweise für Schulen, Seniorenheime oder Versammlungsstätten alles detailgenau geregelt hat. Der Landkreis arbeitete deshalb anfangs eng mit dem Flughafen Düsseldorf zusammen, etwa bei den Brandschutzvorschriften. „Wir profitieren von den Erfahrungen, die dort bei der Katastrophe 1996 gesammelt wurden“, sagt Meißner. Damals starben bei einem Feuer 17 Menschen. Ursachen waren das Missachten von Brandschutzvorschriften in den Zwischendecken und unerlaubte Kunststoffisolierungen. „Diese Fehler sollen sich in Schönefeld auf keinen Fall wiederholen.“ Im neuen Terminal werden 12 000 Brandmelder installiert.

Besonders intensiv habe sich das Bauordnungsamt für die barrierefreie Gestaltung des Terminals eingesetzt. Mit den Behindertenverbänden wurde für Rollstuhlfahrer, Sehbehinderte und Gehörlose ein umfangreiches Leitsystem entwickelt. Notrufsäulen, Beschriftungen und die Höhe der Tresen wurden den Bedürfnissen angepasst. Derzeit laufe unter anderem das Genehmigungsverfahren für Feuerwachen und Winterdiensthallen.

Zur täglichen Arbeit gehört auch die Überprüfung der Bauvorhaben mit dem Planfeststellungsbeschluss von 2004. Ständig würden neue Erkenntnisse und Wünsche der Airlines geprüft und eingearbeitet. Für den Airbus A 380 war die Vergrößerung einer Brücke notwendig. „Die Details werden mit Computersimulationen errechnet“, sagt Meißner. Mehr als zwei Drittel der Bauanträge für den BBI muss die Verwaltung des Dahme-Spreewaldkreises noch bearbeiten. Seit 2006 genehmigte die Behörde rund 60 Vorhaben. Darunter war auch der Tower der Deutschen Flugsicherung, der mit 72 Metern das höchste Gebäude des Flughafens wird. Abgelehnt worden seien bisher keine Anträge.

0 Kommentare

Neuester Kommentar