Der Tagesspiegel : Grün sticht nicht

Wie der Kandidat Wieland seine Niederlage erklärt

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Als Wolfgang Wieland den Anzug für den Wahlabend aussuchte, muss er etwas geahnt haben. Im trauergrauen Nadelstreifen und im schwarzen Hemd absolvierte der Spitzenkandidat der Grünen das Ende seines Wahlkampfs – die Rallye durch die Fernsehstudios, das Zugeben und Erläutern einer Niederlage. Der Mann aus Berlin, der die Brandenburger Herausforderung suchte, hat es nicht geschafft.

Zwei Gründe für die Niederlage machte Wieland geltend. Den einen hatte er schon während des Wahlkampfs erkannt: Hartz IV. Das war das Thema, das die Leute bewegte. Wieland und seine MitSpitzenkandidatin Cornelia Behm hatten über Bildungspolitik sprechen wollen, über innere Liberalität – und Wieland insbesondere hatte sich auf ein Duell mit seinem Lieblingsgegner Jörg Schönbohm eingestellt. Stattdessen rauschte die Hartz-IV-Empörungswelle über Brandenburg und riss andere Themen einfach mit.

Der zweite Grund: Als die PDS in den Umfragen zur – theoretisch – stärksten Partei zu werden schien, haben offenbar viele über ihr Stimmverhalten nachgedacht, die zwischen SPD und Grünen schwankten. Das Ergebnis dieses Nachdenkens fiel gegen die Grünen aus.

Nun steht ein enttäuschter ehemaliger Berliner auf dem Hof des Berges, auf dem sich der brandenburgische Landtag befindet. Die „gespürte Zustimmung“ sei stärker gewesen als das Wählervotum, sagt er. Doch hat der ehemalige Berliner Justizsenator und Fraktionschef auch nicht das Gefühl, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Der Potsdamer Landtag stellte sich ihm als noch fader dar als Berlins Abgeordnetenhaus. „Ich weiß, was mir erspart bleibt“, sagte der in Berlin als verbaler Gladiator geachtete Debattierer.

Bis auf weiteres wird die Politik in Wolfgang Wielands Berufsleben auf den zweiten Platz verwiesen. Zuerst will er sich um seine Anwaltskanzlei kümmern. Die hat er seit Beginn der heißen Wahlkampfphase nicht mehr von innen gesehen.

Viele Wegbegleiter Wielands sind jedoch sicher, dass die Politikpause nur vorübergehend ist. Berlins Grünen-Fraktionschefin Sibyll Klotz sagt: „Für Wolfgang Wieland wird diese Niederlage nicht das Ende seiner politischen Laufbahn bedeuten.“ Bei den Grünen wird schon seit langem darüber spekuliert, dass Wieland 2006 in den Bundestag will. wvb/za

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