Der Tagesspiegel : Grüne Kunstwerke

Claus-Dieter Steyer

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Das hat der Park Sanssouci in seiner 250-jährigen Geschichte nicht so oft erlebt: Ein Skiläufer umkurvt vom Plateau des Schlosses auf seinen Brettern die Terrassen des Weinbergs. Eine Potsdamer Zeitung druckte das Bild sogar. Da kann man nur den Kopf schütteln über die Missachtung eines einzigartigen Kunstwerkes. Hier wird nicht nur die Arbeit vieler Generationen von Gärtnern missachtet und zerstört, sondern die Freude von jährlich Millionen Besuchern. Sie entspannen, suchen die von Meisterhand geschaffenen Blickachsen, freuen sich über eine verblüffende Harmonie und tanken Kraft auf. Das gelingt natürlich nur ohne störende Ski- oder Radfahrer, die im Fahrradland Brandenburg genügend andere Möglichkeiten finden.

Vielleicht kann die Diskussion über den freiwilligen Parkeintritt den großen Wert der historischen Anlagen wieder etwas stärker ins Bewusstsein rücken. Dazu müsste aber wohl erst die Schärfe aus der Debatte um den Schlosspark Charlottenburg genommen werden. Denn während in Potsdam auf die Bitte von zwei Euro für die Parkerhaltung erstaunlich gelassen reagiert wird, gehen Bezirksamt und Bürgerinitiative wegen dieser lächerlich geringen Summe auf die Barrikaden. Hier muss das Verhältnis zwischen der Schlösserstiftung und den Bezirkspolitikern erheblich gestört sein.

Warum gibt es keinen Streit beim Eintrittsgeld für die Schlösser? Es wird verlangt und bezahlt, selbstverständlich auch in Charlottenburg. Schließlich hätten die Kunstwerke an den Wänden und die Räumlichkeiten ihren Preis, heißt es dann. Und in den Parks? Auch das sind Kunstwerke, die eine immense Pflege verlangen. 6,8 Millionen Euro gibt die Stiftung für ihr knapp 800 Hektar großes Reich in Potsdam, Berlin und in den brandenburgischen Residenzen aus. Zwei Millionen Euro fehlen, um alles auf höchstem Niveau zu halten. „Nichts gedeiht ohne Pflege“, sagten schon die Gartengenies vor 200 Jahren. Nie war dieser Spruch so richtig wie heute, wo wir uns den kostenfreien Zutritt einfach nicht mehr leisten können. Wer Eintritt zahlt, geht auch sorgsamer mit den gebotenen Werten um. Rücksichtslose Radfahrer und absonderliche Abfahrtsläufer im Weltkulturerbe hätten dann hoffentlich keine Chance mehr.

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