Grüne vs. Kirche : Beck bedauert "Hassprediger"-Vorwurf

Nach der Eskalation im Streit zwischen führenden Grünen-Politikern und katholischen Bischöfen wollen die Grünen die Wogen glätten, halten an ihrer scharfen Kritik an Kardinal Meisner aber fest: "Für gewöhnlich nennt man eine solche leidenschaftliche Abneigung Hass."

BerlinParteichef Reinhard Bütikofer bedauerte, dass der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Volker Beck, den Kölner Kardinal Joachim Meisner als "Hassprediger" attackiert hatte. Beck nahm den Ausdruck zurück. Bütikofer und Beck erklärten allerdings, die Kritik an Meisner sei in der Sache richtig. Bütikofer betonte aber, er fände es "schade", wenn die Grünen ihren "konstruktiven Dialog" mit der Kirche nicht fortsetzen könnten.

Beck bedauerte "Missverständnisse" durch seine Wortwahl. Er würde den Begriff "Hassprediger" in diesem Zusammenhang nicht mehr benutzen, da Kardinal Meisners Äußerungen keine Aufforderung zu Gewalt enthielten und er den Kardinal nicht in die Nähe von Terroristen oder Selbstmordattentätern rücken wolle. So werde "Hassprediger" aber von vielen verstanden. "An der inhaltlichen Kritik habe ich aber nichts zurückzunehmen."

"Ist und bleibt eine Unverschämtheit"

Gegenüber Frauen, die abgetrieben haben, Homosexuellen und allen anderen Menschen, die außerhalb der Ehe Sexualität lebten, empfinde Meisner Verachtung, sagte Beck. "Für gewöhnlich nennt man eine solche leidenschaftliche Abneigung Hass." Was Meisner über Frauen nach Abtreibungen und Menschen in anderen Lebensformen immer wieder sage, "ist und bleibt eine Unverschämtheit".

Bütikofer sagte: "Es entspricht nicht den Standards unserer Gesellschaft, dass den Lebensgemeinschaften Homosexueller die Existenzberechtigung abgesprochen wird." Meisner hatte Lebensgemeinschaften als "verderblich" bezeichnet. Der Kardinal äußere sich öfters "in exquisiter Art und Weise", sagte Bütikofer ironisch. So jemand gehe das Risiko der Kritik ein. Gleiches gelte für den Augsburger Bischof Walter, dessen "extreme Positionen" auch "Antworten verdienen". Co-Parteichefin Claudia Roth, die Mixa einen "durchgeknallten, spalterischen Oberfundi" genannte hatte, habe den Bischof aber nicht beleidigen wollen.

Grüne würden Klima vergiften

Wachsende Übereinstimmungen zwischen Grünen und Kirchen gebe es etwa bei den Themen Stammzellforschung, Entwicklungspolitik, Umwelt- und Klimapolitik, sagte Bütikofer. Angesichts dessen bestehe nicht die Gefahr, dass die Gespräche zwischen beiden Seiten beendet würden.

Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) rief zur Mäßigung in der Auseinandersetzung mit religiösen Würdenträgern auf. Der CDU-Politiker warf den Grünen vor, mit Aggressivität und Beleidigungen das gesellschaftliche Klima zu vergiften.

Grüne seien "katholikenfeindlich"

CSU-Fraktionschef Georg Schmid wirft den Grünen gar eine katholikenfeindliche Haltung vor. "Der Verdacht, dass die Grünen eine Kampagne gegen die katholische Kirche betreiben, wird immer konkreter", sagte Schmid in München. Die "unglaubliche Herabwürdigung" eines katholischen Kardinals als "Hassprediger" durch Beck sei "ein neuer beschämender Höhepunkt unter den Angriffen der Grünen auf die katholische Kirche". (mit dpa)