Der Tagesspiegel : Grüne warnen vor Giftgas

Bei Waldbrand könnte Munition explodieren – Experte widerspricht

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DallgowDöberitz. „Halt! Gefährdungsgebiet“ – zahlreiche Schilder dieser Art warnen Spaziergänger in der an den westlichen Berliner Stadtrand grenzenden Döberitzer Heide vor einem Verlassen der Wege. Die Gefahr geht von Munition aus, die teilweise schon seit mehr als hundert Jahren im Boden liegt. Wie aktuell die Warnungen offensichtlich sind, zeigt die Antwort des Berliner Senats auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling: Falls die in der Döberitzer Heide gelagerten Kampfstoffe freigesetzt würden, könnte bei Westwind eine mit Diphosgen angereicherte Giftgaswolke die Bevölkerung Berlins bedrohen, hieß es in dem Schreiben. Bei Diphosgen handelt es sich um einen Lungenkampfstoff, der Atembeschwerden und Übelkeit auslöst, Haut und Schleimhäute schädigt, Lungenödeme verursacht und in hoher Konzentration tödlich wirkt. Die auf dem Truppenübungsplatz vermuteten Giftgasgranaten mit diesem Inhalt stammen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges.

Claudia Hämmerling spricht daher von einer „drohenden Katastrophe“ im Fall eines Waldbrandes. Der Senat hatte die Zuständigkeit abgelehnt und auf den Eigentümer des Geländes, die Brandenburgische Bodengesellschaft, verwiesen.

Der dort zuständige Sprengstoffexperte Lothar Lankow weist das Horrorszenario zurück. „Wer die ausgewiesenen, 21 Kilometer langen Wanderwege nicht verlässt, setzt sich keiner Gefahr aus“, unterstreicht er. Größere Ansammlungen von Giftgasgranaten aus dem Ersten Weltkrieg seien zwar auf dem Gelände nicht auszuschließen. Doch seien sie bei Kriegsende 1918 ohne Zünder in tiefen Erdbunkern eingelagert und mit einer dicken Torfschicht bedeckt worden. „So tief dringt kein Waldbrand vor.“ Da seien die von Wehrmacht und russischen Streitkräften hinterlassenen Blindgänger viel bedrohlicher. Endgültige Aufklärung über die Gefährdung durch Gasgranaten soll bis Jahresende ein Gutachten der TU Cottbus bringen. Ste.

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