Grundsteinlegung am Potsdamer Stadtschloss : Volk als Zaungast

Sechs Jahrzehnte nach der Zerstörung beginnt der Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses. Am Mittwoch wurde der Grundstein gelegt, aber die Bürger standen nicht auf der Gästeliste

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Bis die neue Schloss-Fassade fertig ist, werden wohl noch Jahre vergehen: 1960 hatte die SED-Führung versucht, alles auszulöschen, was an das Schloss erinnerte. Während der Abrissarbeiten konnten DDR-Bürger jedoch rund 600 Fragmente retten, die nun mit verbaut werden sollen.
Bis die neue Schloss-Fassade fertig ist, werden wohl noch Jahre vergehen: 1960 hatte die SED-Führung versucht, alles auszulöschen,...Foto: dpa

Potsdam - Sechs Jahrzehnte nach der Zerstörung beginnt der Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses. Nach langjährigen Auseinandersetzungen wurde am Mittwoch auf dem Alten Markt der Grundstein für das künftige Parlamentsgebäude Brandenburgs gelegt, das in den Umrissen des Knobelsdorff’schen Vorgängerbaus mit der früheren Schlossfassade bis Mitte 2013 errichtet wird. „Wir heilen eine Wunde der Geschichte“, sagte Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD), der auch auf Kritik an dem Projekt einging. „Wir bauen kein Schloss. Wir bauen einen modernen Landtag, der ins Bild dieser Stadt passt.“ Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) erinnerte daran, dass die Wiedergewinnung der früheren Mitte Potsdams seit 1990 mit vielen Rückschlägen verbunden war, ehe sie nun „nach 20 Jahren Träume, Wünsche, Hoffnungen gekrönt“ werde. Er hob hervor, dass das bisher in der früheren SED-Bezirksleitung auf dem Brauhausberg untergebrachte Parlament als zentrales Verfassungsorgan „runter vom Berg“ komme, künftig „auf Augenhöhe mit den Bürgern“ sei. Bei der Grundsteinlegung allerdings nicht.

Auf breites Unverständnis und Kritik stieß, dass ausgerechnet zur Parlamentsgrundsteinlegung nur rund 200 geladene Gäste zugelassen waren. Einhundert interessierte Potsdamer, denen der Zugang auf das abgesperrte Areal neben der Baustelle verwehrt wurde, mussten die Zeremonie aus der Ferne verfolgen. Dabei handelt es sich um das neben dem BBI wichtigste öffentliche Investitionsprojekt des Landes Brandenburg. Der 120-Millionen-Bau wird im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit dem niederländischen BAM-Konzern errichtet.

Verantwortlich für das Protokoll war das von Helmuth Markov (Linke) geführte Finanzministerium. Kritik daran übten Politiker von SPD, Grünen, CDU, FDP und Linken, aber auch Vertreter aus Kultur und Gesellschaft. Dies sei „blöd gelaufen“, sagte etwa Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Und Hartmut Dorgerloh, der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten von Sanssouci äußerte sich verwundert, dass die Bürger nicht dabei sein durften. „Hier wird ein Haus des Volkes gebaut, dazu gehören Gewählte und die Wähler“, sagte Dorgerloh. „Man sollte schon auf die Tradition des Gebäudes nach 1918 aufbauen.“ Daran hatte auch Landtagspräsident Fritsch in seiner Rede erinnert. Nach der Abdankung des Kaisers 1918 war das Stadtschloss in der Zeit der Weimarer Republik vom Potsdamer Magistrat genutzt worden, dort tagte die Stadtverordnetenversammlung und es gab einige Dienstwohnungen für „normale Potsdamer“. Immerhin: Die letzte Schlossbewohnerin, die 80-jährige Ingrid Semmrich, war anwesend. „Es ist eine Ehre für mich dabei zu sein“, sagte sie. Sie hätte „nie gedacht“, dass das Schloss einmal wiederentstehe.

Dass der Landtag die historische Fassade erhält, war erst durch eine 20-Millionen-Spende des Milliardärs Hasso Plattner möglich geworden. Es gehe darum, ähnlich wie in Dresden mit der Frauenkirche, der Stadt ein Stück Seele zurückzugeben, sagte er. Er habe sich davon leiten lassen, „wie es in 50 Jahren aussieht“. Dass in Potsdam manches mit Kleingeist verbunden ist, nimmt der Mäzen gelassen: „Wenn alle Städte in Deutschland solche Sorgen hätten wie Potsdam, wäre die Bundesrepublik besser dran.“ Thorsten Metzner

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