Guantánamo : Häftling wird nach Frankreich entlassen

Der Algerier Lakhdar Boumediene ist kein Insasse des US-Gefangenenlagers Guantánamo mehr. Frankreich nahm ihn auf, obwohl er kein französischer Staatsbürger ist.

WashingtonDas berichtete die Washington Post auf ihrer Website unter Berufung auf Diplomaten und Regierungskreise. Boumediene war bekannt geworden, weil seine Anwälte in seinem Namen vor das Oberste Gericht gegangen waren und dort das Recht zugesprochen bekamen, dass auch Gefangene in Guantánamo sich an US-Bundesgerichte wenden könnten.

Der Algerier und fünf weitere Männer waren 2001 in Bosnien unter dem Verdacht festgenommen worden, einen Anschlag auf die US-Botschaft in Sarajevo geplant zu haben. Allerdings ordnete ein US-Bundesrichter in Washington im November 2008 die Freilassung von fünf der sechs Verdächtigen an, weil die Anschuldigungen wenig glaubwürdig gewesen seien. Drei der Männer bosnischer Herkunft waren schon im Dezember in ihre Heimat gebracht worden. Das Schicksal des 39-jährigen Sabir Lahmar sei noch ungewiss.

Der Bundesrichter hatte für Boumediene und vier weitere in Bosnien gefangene, mutmaßliche Terroristen die Freilassung angeordnet. Der 43 Jahre alte Algerier durfte nach Frankreich reisen, wo er Verwandte hat. Die Regierung in Paris habe dem zugestimmt, obwohl er kein französischer Staatsbürger ist, berichtete die Zeitung weiter.

Boumediene ist den Angaben nach der zweite entlassene Guantánamohäftling, der in ein Land einreisen darf, dessen Staatsbürgerschaft er nicht besitzt. Im Februar hatte Großbritannien den gebürtigen Äthiopier Binyam Mohamed aufgenommen. Die Regierung von Barack Obama bemüht sich seit Monaten darum, vor allem in Europa Aufnahmeländer für Guantánamogefangene zu finden, denen in ihrer Heimat Folter droht. (aku/dpa)