Der Tagesspiegel : Guben: Das Schicksal zweier Kosovo-Familien ist weiter ungewiss

Sandra Dassler

Auf den heutigen Tag hat Shefik Bunjaku viele Jahre lang gewartet: "Endlich kann ich wieder richtig arbeiten, ich bin absolut glücklich." Ob das Glück allerdings von Dauer ist, kann Shefik nur hoffen. Sein Schicksal entscheidet sich momentan sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Vor zwei Wochen hatte der Fall von Shefik und seiner Familie über die Grenzen Deutschlands hinaus für Aufsehen gesorgt: die seit mehr als zehn Jahren hier lebenden Kosovo-Albaner sollten abgeschoben werden. Aber wie schon im Fall einer vietnamesischen Familie wenige Wochen zuvor, setzten sich auch für die Bunjakus viele Gubener ein. Schließlich weigerte sich der Landrat des Landkreises Spree-Neiße, Dieter Friese (SPD), die Bunjakus und eine weitere Familie aus dem Kosovo, die ebenso integriert ist, abzuschieben. Friese berief sich auf "übergesetzlichen Notstand" - ein bislang einmaliger Fall im Land. Dass er damit in Konflikt mit dem brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) geraten würde, war vielen klar. Am Montag kam es zu einem Treffen. Aus dem Innenministerium verlautete danach lediglich, Herr Friese müsse dem Minister noch einige offene Fragen beantworten. Der Spree-Neiße-Landrat selbst, sonst der Presse gegenüber aufgeschlossen, schweigt beharrlich.

Unterdessen hat der Ausländerbeauftragte der Evangelischen Kirche in Berlin und Brandenburg, Hanns Thomä-Venske, die im Zusammenhang mit dem Fall Bunjaku erhobene Forderung nach einer Härtefallkommission unterstützt. Dem Tagesspiegel sagte er: "Eine solche Kommission hat ja lediglich beratenden Charakter - es ist mir unverständlich, warum sich der Innenminister so dagegen wehrt." Thomä-Venske wies auch auf die Brisanz der Ereignisse hin: "Da engagieren sich in einer Region, die sonst immer nur als dumpf ausländerfeinlich dargestellt wird, Tausende von Menschen für den Verbleib integrierter Familien. Und die Landesregierung reagiert nicht. Dabei würde Minister Schönbohm mit einer humanen Entscheidung nicht Schwäche zeigen, sondern menschliche und politische Stärke."

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