Guben : Leichen-Plastinationsfabrik eröffnet

Der umstrittene Anatom Gunther von Hagens hat im brandenburgischen Guben die weltweit erste Schauwerkstatt zur Plastinierung von Leichen eröffnet. Gegner des Projekts protestierten mit einer Mahnwache für die Menschenwürde.

Guben - Von Hagens warb bei der Eröffnung seines so genannten Plastinariums in Guben für die Ästhetik und die Demokratisierung der Anatomie. Plastination stehe für öffentliche Autopsie und solle zu Selbsterkenntnis verhelfen. Gegner des Plastinariums vor allem aus den Reihen der evangelischen Kirche führten bei ihrer Mahnwache hingegen an, die öffentliche Zurschaustellung haltbar gemachter Leichenteile verstoße aus ihrer Sicht gegen die Menschenwürde. Dabei gehe es darum, mit kommerzieller Leichenverwertung Geld zu verdienen.

In der Gubener Schauwerkstatt können Besucher erstmals bei der Plastination toter Menschen und Tiere zusehen, die anschließend vor allem für wissenschaftliche Lehrzwecke in dünne Scheiben zersägt werden. Von Hagens erwartet täglich bis zu 5000 Besucher, die der dauerhaften Konservierung von Leichen beiwohnen wollen. Die Produktion soll am Freitag beginnen. Der Anatom betrieb bisher in Heidelberg und China Leichenplastination, Guben kommt als zusätzlicher Standort hinzu.

Plastinator will Produktion erweitern

Von Hagens neue Plastinationsfabrik ist im alten Rathaus sowie im Industriegebäude der ehemaligen Gubener Wollfabrik untergebracht. Von derzeit 42 Mitarbeitern will von Hagens den Produktionsstandort auf bis zu mehrere Hundert Mitarbeiter erweitern. Auf die ersten 42 Stellen als Leichenpräparator hatten sich mehr als 700 Langzeitarbeitslose beworben. Von Hagens war vor allem durch die Schau "Körperwelten" bekannt geworden. Für die Eröffnung des Plastinariums in Guben wurde eine Gruppe menschlicher Leichen präpariert, die eine Pokerrunde aus dem neuesten James-Bond-Film nachstellen. Die Haltbarmachung Toter durch Plastination erfolgt in mehreren Etappen und dauert bis zu zwölf Monate. Der 61-jährige Anatom war zuvor mit dem Versuch gescheitert, einige Kilometer weiter östlich eine Plastinationsfabrik in Polen zu errichten.

Gubens Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) betonte, er freue sich, dass sich von Hagens in der von hoher Arbeitslosigkeit gezeichneten Stadt niedergelassen habe. Guben sei für innovative Ansätze im Dienstleistungsbereich offen. Die südostbrandenburger Kleinstadt an der polnischen Grenze hat seit der Insolvenz der örtlichen Wollfabrik vor rund 15 Jahren ein Drittel seiner ehemals 30.000 Einwohner durch Abwanderung verloren. (tso/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben