Guinea : Militärjunta sucht internationale Anerkennung

Wenige Tage nach dem Putsch im westafrikanischen Guinea bemüht sich die selbsternannte Militärregierung um Kontakt zu ausländischen Diplomaten. Die gestürzte Regierung zeigt sich unterdessen gesprächsbereit.

ConakryNach dem Putsch im westafrikanischen Guinea suchen die neuen Machthaber den Dialog mit der internationalen Gemeinschaft. Die Junta wolle ausländischen Diplomaten an diesem Samstag ihre Absichten darlegen, teilte Putschistenführer, Hauptmann Moussa Dadis Camara, im nationalen Rundfunk mit. Dazu seien unter anderen Vertreter der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der Afrikanischen Union eingeladen worden.

Camara, der sich zum neuen Staatschef ausgerufen hat, war am Mittwoch, einen Tag nach dem Putsch, bei einem Triumphzug durch die Hauptstadt Conakry von der Bevölkerung umjubelt worden. Die Militärs hatten wenige Stunden nach dem Tod des seit 24 Jahren herrschenden Präsidenten Lansana Conté die Macht an sich gerissen. Der Umsturz war international verurteilt worden. Nach Camaras Angaben hat die neue Regierung kein Interesse daran, längerfristig an der Macht festzuhalten. Er kündigte für 2010 "freie und transparente" Wahlen an. Die EU, die AU und die UN hatten alle Parteien dazu aufgerufen, die Verfassung zu respektieren und einen friedlichen Machtübergang zu sichern.

Ungeachtet seines Reichtums an Bodenschätzen wie Bauxit, das zur Aluminiumherstellung gebraucht wird, oder Gold und Diamanten, ist die Bevölkerung des Landes arm. Wegen wachsender Preise für Lebensmittel und Treibstoff war es unter dem mit harter Hand regierenden Conté immer wieder zu blutigen Unruhen und Protesten gegen die Regierung gekommen.

Regierungsmitglieder fügen sich Putschisten

Unterdessen haben sich die Mitglieder der gestürzten Regierung anscheinend den neuen Machthabern gefügt. Etwa 30 Minister und Ministerpräsident Ahmed Tidiane Souaré meldeten sich am Donnerstag in einer Kaserne in Conakry. Zuvor hatte Camara ihnen eine Frist von 24 Stunden gesetzt, freiwillig die neue Regierung anzuerkennen. Andernfalls würden sie verfolgt. Souaré sagte danach Camara seine Unterstützung zu. Er stehe ihm "vollständig zur Verfügung", wurde Souaré zitiert.

Von den 32 Mitgliedern der neuen Militärregierung sind nur sechs Zivilisten. Souaré und Parlamentspräsident Aboubacar Somparé, der nach dem Tod Contés laut Verfassung Übergangspräsident hätte werden müssen, hatten sich zuvor geweigert, die Putschisten anzuerkennen. Der über 70 Jahre alte Conté, der an Diabetes litt, war am Montag gestorben. Er sollte noch am Freitag in seinem Heimatdorf beigesetzt werden. Conté hatte sich 1984 unblutig an die Macht geputscht. (sf/dpa)