Der Tagesspiegel : Gurkenträume – im Wüstensand versauert

Die Idee vom tonnenweisen Export der Spreewalddelikatesse nach Dubai erfüllte sich bisher nicht

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Lübbenau. Der Siegeszug der Spreewaldgurke – er sollte ausgerechnet in der Wüste gekrönt werden. Das Emirat Dubai und andere arabische Länder, so rauschte es vor einem Jahr im Blätterwald, wollten die märkische Spezialität gleich massenweise importieren: Da war von 10000 Tonnen jährlich die Rede, also der halben Jahresproduktion, von Scheichs, die nach einer Kostprobe vernarrt in die Spreewaldgurke seien – als ideale Erfrischung für Picknicks in der Wüste. Und HansGeorg Schmitter, der Chef der im November 2000 gegründeten Brandenburger Auslandsplattform in Dubai, lobte damals: „Weil ich den Handel eingefädelt habe, laufen bei mir die Fragen auf.“ Und: „Die reißen uns die Gurken geradezu aus der Hand.“ Und heute? Ernüchterung ist eingekehrt. Zwar wurde tatsächlich verhandelt, aber bislang ohne Ergebnis. Lieferanten und Importeur könnten sich nicht über die Preise einigen, so die Begründung. „Passiert ist nichts“, heißt es lakonisch beim Spreewaldhof Golßen, der als Gurken-Großproduzent eigentlich das Zugpferd des Exports sein sollte. Bislang ist von dort aber keine einzige Gurken-Lieferung nach Arabien gegangen. „Es war ein Schuss in den Ofen“, bilanziert enttäuscht Dieter Irlbacher, Geschäftsführer des Spreewaldvereins Lübben. Da sei wohl, auch von Schmitter, „mehr Wind gemacht worden als da war“. Typisch, kommentiert Norwin Märkisch, heute Bürgermeister in Calau und früher Landrat in der Lausitz, wo Schmitter nach 1990 einige Jahre Wirtschaftsförderer war. Märkisch erinnert sich noch gut an den „Lebemann“, der immer Geld wollte, „ständig neue Ideen hatte, die nicht realisiert wurden“. Dafür, dass sich Brandenburg teure Auslandsplattformen leiste, während Land und Gemeinden drastisch sparen müssten, hat der CDU-Kommunalpolitiker jedenfalls „kein Verständnis“. thm

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