Der Tagesspiegel : Gute Werke

Hunderte boten gestern bei der Kunstauktion der Evangelischen Kirche mit

Claudia Keller

Erst wollte ihn keiner, den kleinen Slevogt. Nicht mal hundert Euro mochte einer der rund 500 Kunstliebhaber gestern Nachmittag in der Kreuzberger Heilig- Kreuz-Kirche für Max Slevogts Radierung „Spiel“ bieten. Einer traute sich dann doch und fing mit 100 Euro an. Dann ging es los. Detlef Gosselck, hammerschwingender Moderator mit schwarzem Hut, schwarzem Jackett, schwarzer Hose, schwelgte in Zahlen. „Hach, macht das Spaß“, rief er. Da waren schon 315 Euro geboten. „Kommen Sie, so viel kostet nicht mal die Inspektion für Ihren Saab!“ 330 Euro. „Haben Sie nicht eine Arztpraxis? Da würde sich ein Slevogt doch gut machen!“ 420 Euro zog er einem Bieter schließlich aus der Tasche.

133 Gemälde, Radierungen und Drucke, auch eine Jugendstil-Vase kamen bei der Kunstauktion der Evangelischen Kirche unter den Hammer. Auch ein Dali, ein Immendorff, ein Holzschnitt von H.A.P. Grieshaber waren darunter. Der Jahreszeit angemessen, gab es ein Pelzbild , ein „Wertewandelwärmeobjekt“. Und ein Frauenporträt der Berliner Malerin Elvira Bach war für 1600 Euro angesetzt. Es erzielte die Höchstsumme: 3400 Euro.

Kunstsammler und Künstler hatten über 450 Werke für die Auktion gestiftet, viele wechselten bereits am Sonnabend beim Direktverkauf in der Kirche ihren Besitzer. Rund 3000 Euro kamen dabei zusammen. Unter dem Strich brachte die Auktion 30 000 Euro ein, so viel wie noch nie. Das Geld soll Hilfsbedürftigen zugute kommen. Es werden damit Deutschkurse und Rechtsberatung für hier lebende Migranten finanziert und Familien und ganze Dörfer in Afrika unterstützt.

In den vergangenen zehn Jahren habe die Kunstauktion noch nie vor einem so dramatischen Hintergrund stattgefunden wie in diesem Jahr, sagte Schirmherr Bischof Huber zu Beginn: Dass in den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla unschuldige Menschen getötet würden, nur weil sie nach Europa wollten, stehe außerhalb jeden Rechts. „Damit schadet Europa nicht nur den Flüchtlingen, sondern auch sich selbst.“ Europa verkaufe seine Seele, wenn es seine Grundsätze verrate. Die Schirmherrin und Kulturstaatsministerin Christina Weiss erinnerte daran, dass die Künste Verstand und Gefühl öffneten, „Bewegung in unsere Köpfe“ brächten.

Nicht alle jungen und älteren Besucher der Auktion, die in der lichtdurchfluteten Kirche im Erdgeschoss und auf den Emporen saßen und standen, hatten sich ein Kärtchen zum Mitbieten geben lassen. Viele wollten einfach über die Scherze von Gosselck lachen, am Prosecco nippen und sehen, was die Welt der Kunst zu bieten hat. 240000 Euro sind so in den vergangen zehn Jahren zusammengekommen.

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