Der Tagesspiegel : Gutes Bild

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ClausDieter Steyer lobt Brandenburgs Bauern auf der Grünen Woche

ANGEMARKT

Den Brandenburger Bauern sei der Trubel auf der Grünen Woche gegönnt. Nirgends sonst auf der Riesen-Messe schieben sich solche Massen durch die Gänge und die Stände entlang wie in der Brandenburg-Halle. Gute Laune dominiert auf beiden Seiten. Man ist schließlich unter sich. Die hauptsächlich aus Berlin und Brandenburg stammenden Besucher freuen sich über altvertraute Gurken, Säfte, Biere, Brote, Käsesorten und Ausflugsziele. Und da unter guten Bekannten auch das Teilen recht leicht fällt, geizen die Aussteller in der Brandenburg-Halle ganz im Gegensatz zu vielen anderen nicht mit Probier-Häppchen. Da werden keine 20 Cent für eine winzige Käse-Probe verlangt, im Gegenteil, die Brandenburger werben geradezu um reichliches Zugreifen.

Doch die zur Schau getragene gute Laune hat bei genauem Hinsehen einen ziemlich ernsten Hintergrund. Denn den Bauern geht es gerade in Brandenburg keineswegs rosig. Nach den Dürre-Monaten und einer alarmierenden Studie über den wohl nicht mehr aufzuhaltenden Klimawandel stellen manche Experten schon die ganze herkömmliche Landwirtschaft in Frage: Der Anbau von Mais, Rüben und manchen Getreidesorten sei in einigen Regionen ernsthaft zu überdenken. Die immer stärker um sich greifende Versteppung weiter Gebiete mache die Produktion unrentabel. Dazu kamen in den letzten Jahren die BSE-Krise, regelmäßige Warnungen vor der Maul- und Klauenseuche und wiederkehrende Kritik an den riesigen Ställen. Manchmal wurden die hiesigen Bauern auch Opfer von regelrechten Rufmord- Kampagnen. So schwärzte ein ziemlich dreister Futtermittelhändler einen kleinen uckermärkischen Betrieb an, dieser habe Ölrückstände mit verarbeitet. Die Ermittlungen sprachen zwar letztlich den Produzenten frei, aber das Ansehen der Branche war zunächst schwer erschüttert.

Auch das hat wohl zum weiteren Abbau in der Brandenburger Landwirtschaft beigetragen. Im Vorjahr gaben rund 200 Betriebe auf, die Zahl der Beschäftigten liegt jetzt noch bei rund 39 000 Menschen – 1989 waren es mehr als 180 000.

Da erstaunt und erfreut es immer wieder, wie erfindungsreich sich die Bauern und Verarbeiter gerade auf jeder Grünen Woche präsentierten. Gewiss überstand nicht jedes neue Produkt den Publikumstest erfolgreich. Aber die in den vergangenen Jahren beispielsweise vorgestellte Gurke in der Dose hat ebenso ihre Nische an Tankstellen und in Diskos gefunden, wie das Kirschbier aus Neuzelle oder die Hautcreme aus Stutenmilch und Sanddornöl. Andere Kreationen wie der Nuthe-Aal aus Schweinefleisch, die Rentiersalami oder der Roggen-Snack sind dagegen schon wieder vergessen. Vielleicht droht dieses Schicksal auch der diesmal vorgestellten Gurken-Bockwurst, den Senf-Pralinen, dem Brot mit Aloe-Vera-Pulver oder dem Wein aus Knupperkirschen. Die Nachfrage soll entscheiden. Aber die Neugier bleibt erhalten.

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