Gyrocopter : Polizei fliegt auf ihren Mini-Hubschrauber

Innenminister Jörg Schönbohm will im Frühjahr entscheiden, ob Brandenburg als erstes Bundesland Tragschrauber bei der Polizei einsetzt. Ein vertraulicher Bericht empfiehlt den Kauf von drei "Gyrocoptern", doch Kritiker halten das Projekt für überflüssig.

Thorsten Metzner
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Pistenkontrolle. Diesen Gyrocopter testete die Polizei in Brandenburg. Foto: ddp

Potsdam - Für den geplanten Einsatz dieser exotischen Flugmotorräder („Gyrocopter“), mit denen 1965 schon James Bond durch die Lüfte kurvte, ist eine offizielle Hürde genommen. Dem Tagesspiegel liegt der vertrauliche Abschlussbericht des Innenministeriums zum „Projekt Tragschrauber“ vor, der den Kauf und die Einführung der Fluggeräte empfiehlt. „Das Projekt ist weltweit auf Interesse gestoßen“, heißt es in dem 57-Seiten-Bericht zum Abschluss der Erprobung unter realen Polizeieinsatz-Bedingungen. Danach hätten sich die Tragschrauber „als polizeiliches Einsatzmittel der dritten Dimension bewährt“. Sie seien eine „innovative, sichere und kosteneffiziente Ergänzung zum Polizeihubschrauber“, so das Fazit. Der Bericht empfiehlt den Kauf von drei Gyrocoptern (Kosten: rund 180 000 Euro) und die Ausbildung von acht bis zehn Polizisten zu Piloten.

Beim Praxistest 2008 war der Polizei-Gyrocopter – in der Potsdamer Leitstelle angemeldet als „Einstein 60/11“ – Streife in den Schutzbereichen Brandenburg (Havel) und Teltow-Fläming geflogen. Danach taugt er laut Bericht etwa zur Verkehrsüberwachung auf Autobahnen, zur Entdeckung von in Felder versteckten Cannabis-Plantagen oder zur Überwachung von Waldgebieten wegen wachsender Holzdiebstähle. Zitat: „Allein das Vorhandensein eines Tragschraubers erhöht das Entdeckungsrisiko für Täter drastisch.“

Der Gyrocopter habe etwa über Wasser schon bei den Testflügen das „Verhalten der Sportbootführer beeinflusst“ oder aufgeklärt, ob ein Rechtsextremer auf seinem Gehöft eine Sonnenwendfeier plante. Auch auf Anforderung des Berliner Landeskriminalamtes war „Einstein 60/11“ unterwegs, zur Vorbereitung eines Zugriffes von Spezialeinheiten. Diese, zufrieden mit den gelieferten Luftbildern, schrieben den Potsdamern, der Gyrocopter sei „ein ideales Einsatzmittel“. Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) dagegen bleibt es ein „überflüssiges Luxusprojekt“, sagt Landeschef Andreas Schuster. „Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis.“ Der Bericht sei eine „Lobeshymne, um alles dem Minister schmackhaft zu machen“.

Tatsächlich werden Nachteile eher nebenbei erwähnt: So kann der Gyrocopter nur zwischen März und Oktober, tagsüber und bei Temperaturen über vier Grad Celsius fliegen. Für vereinzelte Einsätze sei er vielleicht sinnvoll, sagt Schuster: „Aber da kann sich die Polizei einen mieten.“ Schuster appelliert an den im Herbst aus dem Amt scheidenden Jörg Schönbohm (CDU), auf seine letzten Tage „nicht mit dem Kauf von ,Schönwetterfluggeräten‘ vollendete Tatsachen zu schaffen“.  Thorsten Metzner

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