Der Tagesspiegel : Haft im Gewerbegebiet

Neue Justizvollzugsanstalt in Duben eröffnet

Claus-Dieter Steyer

Duben - Die Mauer ist 1,2 Kilometer lang, sechs Meter hoch und schließt ein etwa zwölf Fußballfelder großes Gelände ein. Dahinter liegt eine kleine Stadt für genau 333 Frauen und Männer. Die ziehen hier allerdings nicht freiwillig ein, sondern verbüßen in den mit heller Fassade und viel Glas ausgestatteten Häusern überwiegend lange Haftstrafen. Fast 54 Millionen Euro kostete diese jüngste Brandenburger Justizvollzugsanstalt in Duben in der Nähe der Autobahn zwischen Berlin und dem Spreewalddreieck. Die ersten 92 Gefangenen bezogen zwar schon an den vergangenen Tagen ihre Zellen, aber erst gestern wurde die offizielle Eröffnung vollzogen.

Mit dem Neubau verfügt Brandenburg jetzt über 2000 seit der Wende sanierte Haftplätze. Nur 500 befinden sich noch im Zustand aus DDR-Zeiten, vor allem im Gefängnis der Stadt Brandenburg. „Doch spätestens am Jahresende fällt die Entscheidung über den Ort des Neubaus“, kündigte Justizministerin Beate Blechinger (CDU) an. „Vielleicht erweitern wir Duben, oder wir einigen uns mit einem anderen Bundesland über gemeinsam verwaltete Haftplätze.“ Die Anstalt in Duben sei „absolut sicher vor einem Ausbruch“, sagte Blechinger. Überhaupt gehörten die Zeiten von durchsägten Gitterstäben oder mit der Hand durchlöcherten Betonmauern der Vergangenheit an. Im vergangenen Jahr habe es keine Flucht aus Haftanstalten mehr gegeben, teilte die Ministerin mit. Nur im Januar sei ein Gefangener aus einem Krankenhaus entwischt, er befindet sich inzwischen aber wieder hinter Gittern.

Duben hatte seit Ende der 90er Jahre regelrecht um die große Anstalt gebettelt. „Im benachbarten Luckau sitzen schon seit 250 Jahren Strafgefangene ein“, erklärte Bürgermeister Harry Müller. „Doch das ehemalige Kloster am Markt entsprach längst nicht mehr den Anforderungen.“ Als Pläne von der Schließung die Runde machten, kümmerte er sich um einen Ersatzstandort. Diesen fand er auf dem Gewerbegebiet von Duben, das seit einiger Zeit zu Luckau gehört. Der Bürgermeister verschaffte so den Angestellten des alten Gefängnisses neue Arbeitsplätze und Firmen der Region wichtige Aufträge. Insgesamt arbeiten in der Haftanstalt 170 Wärter, Krankenpfleger, Psychologen, Pädagogen und Sozialarbeiter. Jetzt wird allerdings eine sinnvolle Nutzung für das aufgegebene Gefängnis in Luckaus Stadtmitte gesucht.

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