Der Tagesspiegel : Haftanstalt Wulkow: Komfort hinter neuen Gittern

Claus-Dieter Steyer

Neuruppin. Schnell korrigiert sich der Gefängnisdirektor. "Schreiben Sie lieber nicht Tag der offenen Tür, sondern Besichtigungstag", sagt Berthold Beiler hastig. "Sonst könnte das zu Irritationen führen." Schließlich seien offene Türen gerade für Justizvollzugsanstalten nicht gerade typisch. Aber am 7. April, zwischen 10 und 16 Uhr, sei jedermann im neuen Komplex Wulkow bei Neuruppin herzlich willkommen.

Die ersten Gefangenen ziehen erst drei Wochen später in den an der B 167, zwischen Neuruppin und Eberswalde gelegenen Neubau ein. "Vor allem die Menschen in der Region sollen sich einen Eindruck von dem Bau machen", erklärt Direktor Beiler. "Es gab so manches Gerücht, hier sei eine Luxushaftanstalt entstanden. Nun kann sich jeder selbst sein Bild machen." 82 Millionen Mark aus Steuermitteln sind verbaut worden.

Für diese Summe ist am Komfort tatsächlich nicht gespart worden. Der Blick in die Hafträume - der Begriff Zelle wäre unpassend - vermittelt fast ein Gefühl des Wohlbehagens. Gleich hinter der Metalltür befindet sich links die abschließbare und geflieste Nasszelle. Daneben steht ein großer Schrank mit einem Wertfach und einer Kühlbox. Über dem Bett hängt ein Regal, am Fenster steht ein Tisch mit Stuhl. Über eine Wechselsprechanlage kann der Insasse Kontakt mit dem Kontrollpunkt auf der jeweiligen Etage aufnehmen. "Die Häftlinge, die nach Wulkow kommen, können wirklich von Glück reden", sagt ein Bediensteter. "Natürlich nur im Vergleich mit den alten Anstalten in Potsdam, Prenzlau oder Neuruppin."

Bei den mit modernsten Geräten ausgestatteten Computerraum, dem Fuß-, Volley- und Basketballplatz oder der großen Sporthalle dürfte mancher Schuldirektor feuchte Augen bekommen. Nur die Frage nach dem Internet-Zugang wurde von der Anstaltsleitung noch nicht klar beantwortet. Es wäre auch zu schön, könnten die Häftlinge gleich per e-mail oder SMS in Kontakt mit der Außenwelt treten.

So hell und freundlich wie die 300 Hafträume - in den meisten steht nur ein Bett - sind auch die Werkräume. Noch fehlen die Maschinen. Bisher hat sich kein Unternehmen in der Umgebung gefunden, das Gefangene innerhalb oder außerhalb der Anstalt beschäftigt. Dabei hat die Architektin auch hier an alles gedacht: separater Sozialtrakt, Starkstromkabel für Großmaschinen, zwölf Elektro-Anschlüsse, Außenlagerfläche und anderes.

Justizminister Kurt Schelter zeigte sich nach seinem ersten Rundgang überrascht und zufrieden. Die Anstalt gewährleiste die sichere Verwahrung der Gefangenen wie auch Möglichkeiten zur Resozialisierung. Wulkow sei aber keine "Luxusanstalt", die ein komfortables Absitzen der Strafe ermögliche, sagte der Minister. Die Anstalt sichere nur eine "menschenwürdige Unterbringung". Bestimmt sind die Räume in den zweistöckigen Gebäuden für männliche Untersuchungshäftlinge und verurteilte Täter mit einer Strafe bis zu zwei Jahren.

Die Reaktionen im kleinen Dorf Wulkow fallen unterschiedlich aus. "Wir hatten uns eigentlich krisenfeste Arbeitsplätze erhofft", sagte ein Mann auf der Dorfstraße. "Aber das ganze Personal kommt ja aus anderen Anstalten." Wenigstens der Anschluss des Ortes an eine Klärgrube sei gelungen. Eine ältere Frau bewegten andere Sorgen. "Mir wird bange vor den Freigängern. Hoffentlich passiert nichts."

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