Halberstadt : Dritter Verdächtiger festgenommen

Nach dem rechtsradikalen Überfall von Halberstadt auf eine Theatergruppe ist heute ein dritter mutmaßlicher Täter festgenommen worden.

HalberstadtNach dem rechtsradikalen Überfall von Halberstadt auf eine Theatergruppe ist ein dritter mutmaßlicher Täter festgenommen worden. Nach Polizeiangaben wird der 24-jährige Mann aus Halberstadt wie auch die beiden anderen zuvor festgenommenen Tatverdächtigen der rechten Szene zugeordnet. In Magdeburg befasste sich unterdessen der Landtag mit den Vorfällen und dem Verhalten der Polizei nach der Tat. Unterdessen wird der Ruf nach einem konsequenteren Vorgehen gegen den Rechtsextremismus lauter.

Rechtsradikale hatten am Wochenende in Halberstadt eine Gruppe von 14 Schauspielern überfallen und fünf von ihnen zum Teil schwer verletzt. Der Fall hatte zusätzlich für Empörung gesorgt, weil die Polizei einen stadtbekannten, einschlägig vorbestraften 22-Jährigen, der am Tatort von Opfern wieder erkannt worden war, zunächst laufen gelassen hatte. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft und hat die Tatbeteiligung bereits eingeräumt.

Insgesamt vier Täter

Die Fahnder der Ermittlungsgruppe "Theater" der Polizeidirektion Halberstadt seien inzwischen nach Hinweisen von Zeugen auf die Spur des dritten Tatverdächtigen gekommen, sagte ein Sprecher. Nach neusten Erkenntnissen geht die Polizei von insgesamt vier Tätern aus, die an dem Überfall beteiligt waren.

Innenminister Holger Hövelmann (SPD) verteidigte im Landtag trotz der Polizei-Panne die Arbeit der Beamten in Sachsen-Anhalt. Die Beamten leisteten insgesamt gute Arbeit, sagte er. Sie verdienten Vertrauen. "Fehler einzelner Polizisten dürfen nicht zu unsachlichen Verallgemeinerungen führen", sagte Hövelmann.

Keine fehlende Entschlossenheit

Die Polizeigewerkschaft wies Vorwürfe gegen die Polizei im Zusammenhang mit dem rechtsradikalen Überfall zurück. Behauptungen, die Polizisten handelten nicht entschlossenen genug gegenüber Rechtsextremisten und hätten es aufgegeben, sich mit Neonazis anzulegen, seien falsch, erklärte die Deutsche Polizeigewerkschaft. Die Polizei nehme jeden rechtsextremistischen Vorfall sehr ernst.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), betonte: "Der Vorfall ist erschreckend und spricht eine deutliche Sprache: Vor gewaltbereiten Neonazis kann sich niemand sicher fühlen." Der Rechtextremismus gefährde die Demokratie und das friedliche Zusammenleben in Deutschland. Es sei wichtig, dass die Polizei gegenüber rechtsextremistischer Kriminalität konsequent durchgreife. Auch müssten "potenzielle Opfer rechter Gewalt Vertrauen in die Sicherheitsbehörden haben können".

Das FDP-Präsidiumsmitglied Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte von der Landesregierung ein konsequenteres Vorgehen gegen den Rechtsextremismus. "Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei durch Sorglosigkeit im Umgang mit Rechtsextremen in Sachsen-Anhalt auffällt." Auch die Reaktion von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sei "unpassend" gewesen. (mit ddp)