Halbjahresbilanz : Bahn macht Milliardengewinn trotz Streik

Gewinnsprung für die Deutsche Bahn: Der Konzern konnte seinen Überschuss um fast 50 Prozent steigern. Im Tarifstreit mit den Lokführern bleibt Bahnchef Mehdorn hart: Mit den bereits abgeschlossenen Tarifverträgen sei man schon an den Rand des wirtschaftlich Möglichen gegangen.

Deutsche Bahn
Bahn macht satte Gewinne. -Foto: ddp

Frankfurt/MainDie Deutsche Bahn befürchtet nach einem kräftigen Gewinnsprung im ersten Halbjahr Bremseffekte durch den schwelenden Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL. In den ersten sechs Monaten stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 44,4 Prozent auf rund 1,35 Milliarden Euro, wie der bundeseigene Konzern mitteilte. Angesichts der guten Konjunktur könne das Geschäft im Gesamtjahr sogar besser laufen als bisher geplant. Dafür dürfe es aber nicht erneut zu Streiks kommen. Die Einkommensanhebungen für die Beschäftigten und Mehrkosten für Energie seien bereits schwer aufzufangen. Für Preiserhöhungen gebe es aber "derzeit keine konkreten Pläne", sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn.

Zum laufenden Vermittlungsverfahren mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) machte Mehdorn keine Angaben und verwies auf die vereinbarte Vertraulichkeit. Er sei aber hoffnungsvoll, dass in der Moderation der früheren CDU-Spitzenpolitiker Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf eine Lösung gefunden werden könne. In der Sache bekräftigte der Bahnchef allerdings, eine Sonderstellung einzelner Berufsgruppen sei weder aufgrund der Ausbildung noch der Belastungen gerechtfertigt. Zudem sei die Bahn für den schon geltenden Abschluss mit den anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA an die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen. Er koste jährlich 250 Millionen Euro. Die GDL will einen Extra-Tarifvertrag und 31 Prozent mehr Geld.

Mit Sonderfahrplänen gegen den Streik

"Jeder Versuch, den wirtschaftlichen Erfolg nun zu konsumieren oder zu verteilen, gefährdet die Substanz des Unternehmens", sagte Mehdorn. Dabei sei der Konflikt mit der GDL "rein wirtschaftlich" gesehen beherrschbar, da sie höchstens 15 Prozent des Gesamtgeschäfts treffen könne. Dennoch verunsicherten Warnstreiks und Streikdrohungen Kunden und richteten Schäden an. Sollte es erneut zu Streiks kommen, werde die Bahn mit Sonderfahrplänen reagieren. Die GDL hat zugesagt, während der Vermittlung nicht zu streiken, mindestens bis 27. August.

Die deutliche Ergebnisverbesserung im ersten Halbjahr sei von allen Geschäftsfeldern getragen worden, sagte Finanzvorstand Diethelm Sack. Gewinnbringer Nummer eins war erneut der Regionalverkehr mit einem Ebit von 416 Millionen Euro (plus zehn Mio Euro). Den stärksten Zuwachs erzielte die Tochter für das Gleisnetz mit einem Plus von 147 Millionen Euro auf 294 Millionen Euro. Dazu habe Rationalisierung beigetragen. Unter dem Strich verbuchte der Konzern 868 Millionen Euro Gewinn nach 624 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz erhöhte sich bis Ende Juni um 5,8 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro.

Mehdorn will Börsengang unbedingt 2008

Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand nun damit, dass die Erlöse um fünf statt der bisher angestrebten drei Prozent steigen könnten. Das Ebit soll sich ebenfalls besser entwickeln.

In der Debatte um den geplanten Börsengang bekräftigte Mehdorn das Ziel, bereits im nächsten Jahr am Kapitalmarkt anzukommen. Das nötige Gesetz müssen Bundestag und Bundesrat noch beschließen. Der Bahnchef trat Kritik entgegen, dadurch würden mehr Strecken in ländlichen Regionen stillgelegt. Er könne versichern, ein teilprivatisierter Konzern werde gerade im Regional- und Stadtverkehr noch mehr um neue Kunden kämpfen. Diese Regionalangebote stünden für 90 Prozent der täglichen Kundschaft im Personenverkehr. "Nicht nur wir, sondern auch jeder Investor müsste doch verrückt sein, wenn er hier Hand anlegen würde." (mit dpa)