Hamburger Balett-Tage : Umjubelte Erstaufführung der "Kleinen Meerjungfrau"

Die 33. Hamburger Ballett-Tage begannen mit einer Deutschland Premiere: Die Erstaufführung der "Kleinen Meerjungfrau" wurde vom Publikum gefeiert.

Carola Große-Wilde[dpa]
Meerjungfrau
Auf dem Meeresgrund bewegt sich die kleine Meerjungfrau frei und unbeschwert. -Foto: dpa

HamburgDie kleine Meerjungfrau liebt den Prinzen bedingungslos und nimmt alle Mühen auf sich, damit auch er sich in sie verliebt. Doch alle Anstrengungen reichen nicht. Am Ende bleibt sie allein zurück mit ihrem Schöpfer, der genauso leidet wie sie. Mit einer umjubelten deutschen Erstaufführung des Balletts "Die kleine Meerjungfrau" sind am Sonntagabend die 33. Hamburger Ballett-Tage eröffnet worden. Zum 200. Geburtstag des dänischen Dichters Hans Christian Andersen (1805-1875) hatte Ballett-Intendant John Neumeier das Auftragswerk vor zwei Jahren zur Eröffnung des neuen Opernhauses in Kopenhagen kreiert. Für Hamburg hat die junge Komponistin Lera Auerbach eine überarbeitete, leichtere Fassung geschaffen.

Für Neumeier ist das Märchen die "autobiografischste Geschichte, die Andersen je geschrieben hat". Deshalb spielt die Figur des Dichters, der an einer unerfüllten Liebe zu seinem Freund Edvard litt, in seinem Ballett eine große Rolle, er interpretiert das Märchen als "Spiegel seiner Seele". "Es ist eine wunderschöne Geschichte über eine Möglichkeit, jemanden unsterblich zu lieben, was jedoch nicht bedeuten muss, dass dieser mich zurück liebt", sagt Neumeier. Der Dichter (herausragend: Lloyd Riggins) begleitet die kleine Meerjungfrau bei all ihren Bemühungen, dem Prinzen zu gefallen: Für ihn verzichtet sie auf ihr unbeschwertes Leben am Meeresgrund, verlässt Vater und Schwestern und nimmt alle Qualen an Land auf sich.

Unvereinbarkeit der Welten wird wunderbar herausgearbeitet

Neumeier - auch verantwortlich für Bühnenbild, Kostüme und Lichtkonzept - hat für die beiden unterschiedlichen Welten magische Bilder geschaffen. Ein blauer Lichtbogen kennzeichnet den Meeresgrund, der sich langsam zu Wellen formiert, nach oben steigt und den Blick auf eine mythische Unterwasserwelt voller Fabelwesen freigibt. Hier bewegt sich die kleine Meerjungfrau, zwischenzeitlich emporgehoben von drei magischen Schatten, frei und unbeschwert und verliebt sich unsterblich in den jungen Prinzen, als dieser nach einem Schiffbruch auf den Meeresboden sinkt. Die Menschenwelt dagegen ist grell und kalt. Die Meerjungfrau, ihrer Anmut und ihres Lebenselixiers beraubt, kann hier nicht bestehen.

Neumeiers Choreografie arbeitet die Unvereinbarkeit der Welten unter und über dem Wasser wunderbar heraus. Durch die unterschiedlichen Bewegungsabläufe der Tänzer wird deutlich, dass die Meerjungfrau, egal welches Opfer sie auch bringen mag, im Reich des Prinzen stets eine Fremde sein wird. Die zierliche Silvia Azzoni tanzt die Titelrolle als höchst zerbrechliches Wesen. Mit kindlicher Begeisterung und unsagbarer Hingabe folgt sie dem Prinzen (Carsten Jung) in seine Welt, um dort mit Schrecken festzustellen, dass sie ihn nie erreichen kann. Im Rollstuhl sitzend, weil ihre Füße so schmerzen, muss sie mit ansehen, wie er mit seiner Braut (Hélène Bouchet) an ihr vorbei tanzt. Erst als sie die Spitzenschuhe und ihr Ballkleid abstreift, hat die Qual ein Ende. Am Boden liegend wird sie von ihrem Schöpfer gerettet und in eine andere Welt geführt.