Handball : Bestechungs-Vorwürfe gegen Schiedsrichter

Schwarzer Samstag für den deutschen Handball: Nach der Affäre um den Rekordmeister THW Kiel haben Bestechungsvorwürfe gegen die Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich aus Magdeburg für einen erneuten Schock gesorgt.

Martin Kloth[dpa]
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Schwere Vorwürfe. Frank Lemme (r.) und Bernd Ullrich wurden für das Spiel zwischen Hamburg und Kiel am Samstag abgesetzt.Foto: dpa

Leipzig/Hamburg"Grundsätzlich geht das in eine Richtung, die gar nicht gut ist. Erst die Manipulationsvorwürfe gegen Kiel, jetzt steht ein deutsches Schiedsrichter-Gespann in der Kritik. Das nimmt Ausmaße an, die ich nicht für möglich gehalten habe", sagte Horst Bredemeier, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), am Samstag.

Zugleich kündigte er umgehende Aktionen des Verbandes an. "Wir müssen jetzt mit aller Gewalt aufklären", erklärte er. Das DHB-Präsidium werde so schnell wie möglich konferieren. Lemme/Ullrich waren durch Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß von der Leitung des Bundesliga-Spitzenspiels HSV Hamburg gegen THW Kiel am Samstag abgesetzt worden. "Damit hat er alles richtig gemacht", sagte Bredemeier. Er halte die Magdeburger für "ein Gespann, das für mich über jeden Zweifel erhaben ist". Lemme/Ullrich hatten das Olympia-Finale 2008, das WM-Finale 2005 und zuletzt das "kleine Finale" bei ihrer letzten WM im Januar des Jahres in Kroatien geleitet.

50.000 Euro in einer Plastiktüte

Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet in seiner neuen Ausgabe über einen Bargeldfund in Höhe von 50.000 Dollar bei den Magdeburgern nach dem Final-Rückspiel im Europapokal der Pokalsieger zwischen Medwedi Tschechow (Russland) und BM Valladolid (Spanien) am 29. April 2006. Am Tag nach der Partie hätten Sicherheitsbeamte am Moskauer Flughafen "im Gepäck von Ullrich eine Plastiktüte" entdeckt, "in die 50.000 Dollar in bar eingepackt waren". Das Geld wurde nach "Spiegel"-Informationen konfisziert. Lemme und Ullrich hätten erst nach einer Verzichtserklärung weiterreisen dürfen.

Während ein Spitzenfunktionär des russischen Handballverbandes laut "Spiegel" behauptet, Ullrich und Lemme seien vor dem Spiel geschmiert worden, sähen sich die beiden Unparteiischen als Opfer eines Komplotts. Ullrich weist die Vorwürfe entschieden zurück, bestätigte aber einen Bestechungsversuch. "Die Vorwürfe kommen aus Moskau. Wir haben kein Spiel verschoben. Wir sind reingelegt worden", sagte er der "Hamburger Morgenpost" und ergänzte:. "Wir sind vor dem Spiel gefragt worden, ob wir gegen Geld für Medwedi pfeifen würden. Wir haben abgelehnt."

Ullrich: Geld zugesteckt

Seine Erklärung: "Man hat uns Geld zugesteckt. In die Sporttasche. Da guckt man ja morgens nicht noch mal rein. Dann sind wir mit dem Geld in den Zoll reingelaufen und man hat uns verhört, aber es gab keine rechtlichen Konsequenzen." Und: "Die ganze Geschichte hört sich so scheiße an, die glaubt uns natürlich niemand. Aber ehrlich, wir sind doch nicht so doof, dass wir mit 50.000 Dollar Bargeld in den Zoll reinlaufen."

Ullrich gibt zu: "Unser Fehler war, dass wir es nicht dem europäischen Verband gemeldet haben." Ullrich und Lemme hätten dem DHB "ihre Version des Falls aus dem April 2006 erst nach Ullrichs Gespräch mit dem 'Spiegel' Mitte dieser Woche" gemeldet, schreibt das Nachrichtenmagazin.

Medwedi Tschechow hatte das Hinspiel in Spanien mit sieben Toren Differenz verloren, das Rückspiel dann mit acht Toren Unterschied gewonnen. Der deutsche Rekordmeister THW Kiel sieht sich seit einigen Tagen Gerüchten ausgesetzt, mindestens zehn Spiele in der Champions League manipuliert zu haben. Der Verein hat alle Verdächtigungen zurückgewiesen.