Hans Schäfer : "Bis ich an der Theke tot umfalle"

Ein "Held von Bern" wird 80 Jahre alt: Hans Schäfer. Der Ur-Kölner ist neben Ottmar Walter und Horst Eckel der letzte Lebende der legendären deutschen Nationalmannschaft, die 1954 den WM-Titel holte.

Dietmar Fuchs
Hans Schäfer
Da war Hans Schäfer noch schlank und rank - und in seinen besten Fußballer-Jahren. -Foto: ddp

Köln/DüsseldorfAm 4. Juli 1954 wurden die Deutschen mit einem 3:2-Finalerfolg über Ungarn Weltmeister, und gaben damit einer Nation ein großes Stück Selbstwertgefühl zurück. Schäfer war der erste deutsche Nationalspieler, der an drei WM-Endturnieren hintereinander teilnahm (1954, 1958, 1962). In 39 Länderspielen erzielte er 15 Tore, in 507 Pflichtpartien für den 1. FC Köln traf er 304 Mal.

Hans Schäfer ist kein Mann des großen Trubels. Viel lieber sind ihm die Besuche am Geißbockheim im Kölner Grüngürtel, wenn er dort die Geschäftsstellen-Mitarbeiter begrüßt und immer ansprechbar ist, Anekdoten aus seinem an Erfolgen und Ehrungen reichen Fußballer-Leben berichten soll. Und offen bekennt, dass er seinem FC nahe sein will, «bis ich Hundert werde und dann bei einem Glas Kölsch tot an der Theke umfalle», wie der Jubilar schon anlässlich seines 75. Geburtstags wissen ließ.

Fünf Mal Westdeutscher Meister, zwei Mal deutscher Meister

Geboren wurde Johann Schäfer am 19. Oktober 1927 im Kölner Stadtteil Sülz. Aufgewachsen ist er in Köln-Zollstock, wo die Eltern einen Friseursalon hatten. Dort, bei der DJK Rheinland Zollstock, wurde ihm das Einmaleins des Fußballs beigebracht. Seine Lehrmeister erkannten schnell, dass der Knirps ("Ich wollte als Kind immer Fußballspielen - morgens, mittags, abends") als Linksfuß eine Schusstechnik hatte, die ihn zu einem gefürchteten Torjäger machen sollte.

Mit dem FC und dem damaligen Trainer Hennes Weisweiler stieg er 1949 in die Oberliga West auf. Es sollten noch viele Siege folgen: Westdeutscher Pokalsieger (1953, 1964), Westdeutscher Meister (1954, 1960, 1961, 1962, 1963), deutscher Meister 1962 und 1964 an der Seite des jungen Wolfgang Overath, "Fußballer des Jahres" 1963. Im Notizblock von Bundestrainer Sepp Herberger stand Schäfer schon lange vor seinem Debüt im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei dem er am 9. November 1952 in Augsburg gegen die Schweiz zweimal traf. Herberger schätzte den "Mitreißer" Schäfer als einen, der nie aufgab, nie resignierte, immer wieder animierte.

Mit einem Schuss das Tornetz zerfetzt

Schäfers Markenzeichen waren seine Torschüsse. An den schönsten am 14. Juni 1953 erinnerte er sich in einer Hommage der FC-Vereinszeitschrift "Geißbockecho" gern zurück: "Das war bei einem B-Länderspiel gegen Spanien in Düsseldorf. Ich habe eine Flanke aus der Luft genommen und den Ball in den Winkel gedroschen - der hat das Tornetz zerfetzt und ist hinten wieder rausgekommen."

Wunderbar - wie das "Wunder von Bern", das für Schäfer keines war: "Es war einfach eine großartige Leistung einer großartigen Mannschaft", vertraute er 2004 dem Fragesteller in "Die Zeit" an. Auch vom Begriff "Helden" distanzierte er sich. Es sei doch kein Heldentum, wenn man ein Spiel gewinne, und sei es eine WM. So ist Schäfer, der um seine Person nie ein Aufhebens macht. Und so hält er es auch an seinem Ehrentag, den er im Kreis seiner Familie und Freunde in Tirol feiern will. (mit dpa)