Der Tagesspiegel : Harms ist nicht der Einzige

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Von Thorsten Metzner

Der Mann, für den Brandenburgs Ministerpräsident jetzt einen neuen Job sucht, hat beste Referenzen. Er war Kultusminister in Sachsen-Anhalt, vorher acht Jahre Bildungsstaatssekretär in Brandenburg. Er ist flexibel einsetzbar, eloquent, hat Führungsqualitäten. Gehaltsvorstellung: Mindestens 8000 Euro monatlich. Der Bewerber heißt Gerd Harms, 49 Jahre. Angebote an die Staatskanzlei, Potsdam, Heinrich-Mann-Allee 107.

Mit einem Vorzug ragt Harms heraus: Er ist ein Pflichtmensch. Wäre er sonst als Entwicklungshelfer vor vier Jahren aus dem blühenden Brandenburg weggegangen, nach Sachsen-Anhalt? Dass ihm die SPD-Alleinregierung auf Veranlassung Stolpes ein Rückkehrrecht bei vollen Versorgungsbezügen garantierte, war da das Mindeste. Es belegt ja nur, wie bescheiden, wie uneitel Harms ist. Welcher deutsche Minister würde wieder Staatssekretär werden, ins zweite Glied zurücktreten? Selten so was heutzutage in der Politik - von wegen „Versorgungs-Affäre".

Konnte Stolpe denn 1998 ahnen, dass schon ein Jahr später in seinem Kabinett die CDU mitregiert? Zugegeben, jetzt ist die Angelegenheit vertrackt. Dieses Land hat einfach zu wenige Posten. Und die sind momentan leider alle besetzt.

Die landeseigene Lottogesellschaft? Da wurde schon ein früherer Kollege von Harms, Finanzstaatssekretär Horst Mentrup, zweiter Geschäftsführer. Die gutdotierte Stelle wurde extra geschaffen. Die Bodengesellschaft? Da wurde schon Wolfgang Heitmann mit einem Posten belohnt, ein frühere Manager der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG). Die ist inzwischen pleite. Nun hätte deren letzter Geschäftsführer Rainer Geisler, der gutbezahlt zu Hause sitzt, die LEG zwar wenigstens selbst liquidieren können – wenn es mit dem Sanieren schon nicht klappte –, aber dann hätte es die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für den Liquidator nicht gegeben.

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