Hartz IV : Misere am Jobmarkt macht leidensfähig

Eine Studie belegt: Job-Bewerber sind aus Angst, Hartz-IV-Empfänger zu werden, zu weitaus mehr Zugeständnissen bereit, als noch vor einigen Jahren. Schichtdienste oder geringe Stundenlöhne schrecken die Stellensuchenden weniger ab als früher.

NürnbergAus Angst vor Hartz IV sind Arbeitslose mehr denn je dazu bereit, für eine neue Stelle Abstriche beim Lohn und bei den Arbeitsbedingungen hinzunehmen. Das ergab eine repräsentative Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Jeder fünfte Betrieb habe angegeben, dass die Bereitschaft zu Zugeständnissen bei arbeitslosen Bewerbern gestiegen sei, teilte das IAB mit. Ein geringerer Lohn sei vor allem im Baugewerbe sowie bei Banken und Versicherungen akzeptiert worden. Auch ungünstige Arbeitszeiten, weite Anfahrtswege und Schichtdienste würden von den arbeitslosen Bewerbern eher in Kauf genommen als früher. Für schwer besetzbare Stellen konnten demnach leichter Mitarbeiter gefunden werden. Die Firmen hätten auch häufiger neue Arbeitsplätze für gering entlohnte Tätigkeiten geschaffen. Jeder dritte Betrieb mit Neueinstellungen sehe einen Zusammenhang zwischen Hartz IV und den Änderungen im Bewerberverhalten, hieß es. "Die Hartz-IV-Reform hat damit den Beschäftigungsaufbau positiv flankiert", schreiben die Autorinnen der IAB-Studie, Anja Kettner und Martina Rebien.

Die Qualifikation der Bewerber entspreche allerdings seltener als früher der Stellenanforderung, teilte das IAB weiter mit. Gut ein Fünftel der Betriebe habe berichtet, dass die Interessenten häufiger unterqualifiziert waren. Dies traf besonders in den Bereichen Handel, Gastronomie und Verkehr sowie im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe zu. In acht Prozent der Betriebe wurden die Bewerber häufiger als überqualifiziert eingeschätzt. 22 Prozent der befragten Betriebe berichteten, dass sie öfter als früher Initiativbewerbungen von arbeitslosen Bewerbern erhalten hätten. Vor allem die mittleren und großen Betriebe verzeichneten Zuwächse. An der IAB-Studie beteiligten sich in den Jahren 2005 und 2006 insgesamt rund 23.500 Unternehmen.