Der Tagesspiegel : Harz-Konzept für die Sphinx

Marmorne Wächterfiguren aus dem Park Sanssouci werden für die nächsten hundert Jahre konserviert

Helmut Caspar

Potsdam. Die Hunderte von Marmorfiguren im Park von Sanssouci sind Lust und Last zugleich für die Preußische Schlösserstiftung. Denn die Götter und Giganten sehen zwar dekorativ aus und zeugen vom Kunstsinn der Hohenzollern, die hier ihre Schlösser errichten ließen. Aber der Zahn der Zeit nagt an den im 18. und 19. Jahrhundert geschaffenen Figuren. Zu DDR-Zeiten wurden nur kleine Reparaturen ausgeführt, weil es an Devisen für carrarischen Marmor aus Italien mangelte. Mit Wende und Wiedervereinigung hatte sich dieses Problem erledigt. Besonders kostbare Figuren wie die Gruppen an der großen Fontäne unterhalb von Schloss Sanssouci werden nach und nach durch Kopien ersetzt. Weitere Plastiken werden in der Bildhauerwerkstatt der Schlösserstiftung an der Potsdamer Lennéstraße durch Reinigung und Konservierung fit für die nächsten hundert Jahre gemacht.

Das betrifft auch die beiden Sphingen, die den Eingang zur Allee nach Sanssouci bewachen. Schöpfer der 1755 aufgestellten Mischwesen aus Frau und Löwe ist der Bildhauer Georg Franz Ebenhech. Er zeigt jede Sphinx ausnahmsweise nicht als grimmige Wächterin, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzt, sondern als freundliches Wesen, das mit dicklichen Putten spielt. Steinrestaurator Ulrich Gern entfernt mit einem Reinigungsgerät, aus dem heißes Wasser spritzt, die grau-schwarze Schmutzschicht, die sich mit den Jahren gebildet hat. Beseitigt werden dabei auch Mikroorganismen, deren Abscheidungen die Struktur des Marmors schädigen. Mit einer Laserpistole entfernt Gern hartnäckige Flecken, die sich in Kehlen und Falten gebildet haben. Kleine Ausplatzer ergänzt er mit Marmor, Risse und Löcher füllt er durch Injektionen mit einem flüssigen Harz.

Nach der Reinigung werden die Figuren in die Nähe von Bamberg transportiert und von einer Spezialfirma dauerhaft konserviert. Nach einigen Wochen ist der Marmor wie ein trockener Schwamm bereit zur Aufnahme von Flüssigkeiten. Als krönender Abschluss wird das „Acrylharz-Volltränkungsverfahren“ angewandt. Unterdruck lässt das flüssige Harz tief in den Marmor eindringen und festigt seine kristalline Struktur. Ulrich Gern hofft, dass die Prozedur in diesem Sommer abgeschlossen sein wird und die Sphingen schon im Herbst ihren Dienst als Wächterinnen am Weg zum Schloss Sanssouci antreten können.

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