Hauptversammlung : Vattenfall wirbt um Vertrauen

Mit einer "Vertrauensoffensive" soll der Stromkonzern Vattenfall verlorenen Kredit zurückgewinnen. An den Preiserhöhungen wird jedoch festgehalten. Die Botschaft der zahlreich abgewanderten Kunden will man "verstanden und die Lektionen gelernt" haben.

Vattenfall Proteste Foto: dpa
Super-Gau in Treptow: Umweltschützer simulieren in einem Atomkraftwerk aus Holz einen Unfall. -Foto: dpa

BerlinDer deutsche Energieversorger Vattenfall Europe hat nach den Pannen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel eine Transparenz-Offensive angekündigt. "Wir wollen und müssen das verlorene Vertrauen in das Unternehmen Vattenfall Europe wiederherstellen", sagte der neue Vorstandschef Hans-Jürgen Cramer. Angesichts der Proteste gegen die jüngsten Preiserhöhungen will Deutschlands viertgrößter Stromkonzern eine "Antwort auf die Wettbewerber" geben. ""Der Kunde ist König" muss unser Motto sein", sagte Cramer. "Wir haben die Botschaft verstanden und die Lektionen gelernt".

Der neue Vattenfall-Chef wies Vorwürfe über einen angeblich leichtfertigen Umgang mit den Pannen in Krümmel und Brunsbüttel zurück. "Zu keinem einzigen Zeitpunkt bestand irgendein ernstzunehmender Störfall, der Anlass zur Sorge oder Ängsten hätte sein können". Er stelle sich uneingeschränkt vor seine Mitarbeiter - "vom Pförtner bis zum Leiter des Kernkraftwerks", sagte Cramer. Er hatte das Amt von Klaus Rauscher übernommen, der am 18. Juli wegen der Informationspolitik des Unternehmens sein Amt zur Verfügung gestellt hatte.

Cramer kritisierte Vattenfall Kommunikationspolitik der vergangenen Monate. Der Konzern habe "nicht immer im ausreichenden Maße unsere Kunden als Partner gesehen" und den Wettbewerb auf dem Strommarkt "nicht so offensiv angenommen, wie es notwendig ist". Der Energieversorger wolle in die Offensive gehen und nachdrücklich um Kunden werben. Dabei solle in Hamburg und Berlin mehr für Ökostrom geworben werden.

Proteste vor der Hauptversammlung

Vor dem Tagungsort protestierten Umweltverbände gegen die Energiepolitik des Stromriesen und simulierten mit einem brennenden Atomkraftwerk-Modell aus Styropor einen Störfall. Der Naturschutzbund Nabu rief alle Stromkunden auf, "die Geschäftsbeziehungen mit dem Atom- und Kohlekonzern zu kündigen". Aktionärsvertreter warfen dem Konzern einen zögerlichen Umgang mit neuen Technologien für den Klimaschutz vor und forderten einen Ausstieg aus der Atomenergie.

Im März hatte die deutsche Tochter des schwedischen Staatsunternehmens Vattenfall beschlossen, sich von der Börse zurückzuziehen. Kleinanleger sollen im Rahmen eines sogenannten "Squeeze out"-Verfahrens eine Zwangsabfindung erhalten. Gegen diese Entscheidung haben Aktionäre Einspruch erhoben. Ein Termin für eine Entscheidung des Kammergerichts Berlin stehe noch nicht fest, sagte Cramer.

Weniger Strom verkauft

Vattenfall Foto: ddp
Botschaft verstanden: Der neue Vorstands-Sprecher, Hans-Jürgen Cramer, auf der Hauptversammlung des Energie-Konzerns. -Foto: ddp

In der ersten Jahreshälfte 2007 verzeichnete Vattenfall Europe einen deutlichen Rückgang beim Stromverkauf. Die Produktion ging um sieben Prozent hinter dem Vorjahr zurück. Im Vergleich zur Vorjahresperiode sank der Absatz an Endkunden von 24 auf 21,8 Terawattstunden (TWh), im Großhandelsgeschäft von 42,7 auf 41 TWh. Ursachen seien die hohe Windeinspeisung und niedrige Strompreise am Spotmarkt, auch infolge der milden Witterung vor allem zu Jahresbeginn, hieß es im Halbjahresbericht.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Betriebsgewinn über dem Vorjahreswert von 1,35 Milliarden Euro. Seit Anfang Juli verlangt die Gesellschaft von ihren Privat- und Gewerbekunden rund sieben Prozent mehr. (mit dpa)