Der Tagesspiegel : Hausauktion: Joop ersteigert die Villa Rumpf

Sabine Schicketanz

Die Villa Rumpf am Ufer des Heiligen Sees hat einen neuen Eigentümer: Der Potsdamer Modeschöpfer Wolfgang Joop ersteigerte das rote Backsteingebäude, in dem einst der berühmte Maler Fritz Rumpf lebte und Kollegen wie Max Liebermann ein und aus gingen, gestern bei einer Zwangsversteigerung für 4,85 Millionen Mark. "Ich war selbst überrascht von meiner Entscheidung", sagte Joop, nachdem er um 12 Uhr 35 im Versteigerungssaal des Potsdamer Amtsgerichtes den Zuschlag für das Bauwerk in der Potsdamer Villengegend Berliner Vorstadt bekommen hatte. Joop saniert bereits in unmittelbarer Nähe die "Weiße Villa".

Erst vor ein paar Tagen hatte er beschlossen, sich an der Versteigerung zu beteiligen. "Ich hatte, wie viele andere in dieser Stadt auch, panische Angst, dass einmalige Objekte wie diese Villa in falsche Hände fallen." Nach einer unruhigen Nacht - in der den Modeschöpfer Zweifel überkamen, ob er die Villa würde "retten" können - gab Joop gestern Morgen eine klare Botschaft an seine Anwälte: "Wir gehen bis zum Äußersten."

Dazu war Joop auch gezwungen. Neben einer Bietergesellschaft, die bei 2,850 Millionen Mark ausstieg, war auch das Berliner Unternehmen SAT - hinter dem sich die Fluggesellschaft "Germania" verbirgt - an der Immobilie in exklusiver Lage interessiert: sein letztes Gebot lag bei 4,8 Millionen Mark. Selbst anwesend war der Modeschöpfer bei der Versteigerung allerdings nicht: "Das hätte ich nicht durchgehalten."

Auch eine andere prominente Persönlichkeit hielt sich bei der Zwangsversteigerung im Hintergrund: Das Berliner Super-Model Nadja Auermann, das der Star in Joops neuer Werbekampagne ist. Die "Frau mit den längsten Beinen der Welt" (Joop) wartete im Auto vor dem Gerichtsgebäude, während ihr Mann Wolfgang Grandezka die Gebote per Handy übermittelte. "Ich denke, Nadja ist sehr traurig", sagte Joop, der ihr die Villa persönlich gezeigt hatte. "Aber ich verspreche, ihr ein Gästezimmer einzurichten."

Welche Nutzung die zurzeit noch von dem Maler Klaus-Peter Wilde bewohnte Residenz bekommen soll, darüber hat Neu Eigentümer Joop noch nicht entschieden. Denkbar sei ein Malatelier oder ein Künstlersalon, aber auch ein gemeinsames Projekt mit der Potsdamer Fachhochschule. "Als ich die Villa mit Nadja Auermann betrat, ist die Atmosphäre in meine Seele gekrochen", so der weltbekannte Designer. Er habe sich verpflichtet gefühlt, als "Sohn dieser Stadt persönliche und finanzielle Opfer zu bringen". Fest steht, dass die im holländischen Neobarock errichtete Villa orginalgetreu rekonstruiert werden soll. In Potsdam werden langsam die Nobelvillen knapp.

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