Der Tagesspiegel : Hauskauf: Auermann ist nicht mehr traurig

Reinhart Bünger

"Nadja ist sehr traurig", erklärte Modeschöpfer Wolfgang Joop vor zwei Wochen. Nadja Auermann, das Super-Model, hatte gerade bei einer Auktion um die so genannte Villa Rumpf am Ufer des Heiligen Sees gegen Joop den Kürzeren gezogen. Joop versprach, Auermann ein Gästezimmer einzurichten. Nun kann sich Auermann auf ähnliche Weise revanchieren: Einem Bericht der "BZ" zufolge leistet sie sich ein Anwesen, das zu DDR-Zeiten von dem Schriftsteller Rudi Strahl bewohnt wurde.

An einem idyllischen See am Rande Berlins soll es liegen, ein 1600 Quadratmeter großes baumbewachsenes Grundstück, mit einer Villa (346 Quadratmeter Wohnfläche), Bootshaus und Bootssteg soll es sein. Über den Kaufpreis und darüber, wie der Kauf bewerkstelligt wurde, herrscht Stillschweigen. Die "Frau mit den längsten Beinen der Welt" ist in derselben unterwegs, die Hamburger Modelagentur kann auch keine genaue Auskunft geben: Die zuständige Agentin weilt im Ausland. Bei der Versteigerung der Rumpf-Villa in Potsdam soll sich Auermann ebenfalls im Hintergrund gehalten haben: Sie wartete im Auto, während ihr Ehemann Wolfgang Grandezka ihre Gebote per Handy übermittelte.

Etwas mehr in Erfahrung zu bringen ist über Rudi Strahl, den erfolgreichsten Komödienautor der DDR. Bekannt wurde er vor allem mit seinen viel gespielten Stücken "Ein irrer Duft von frischem Heu" oder "In Sachen Adam und Eva". Strahl machte aber nicht nur Spaß: Er war Offizier der Nationalen Volksarmee - und später Redakteur der satirischen Zeitschrift "Eulenspiegel", bevor er sich ab 1961 als freier Schriftsteller in Berlin niederließ. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel sagte Strahl 1997: "Meine Lebensumstände kommen auf den Prüfstand einer anderen Realität. Verlorene Illusionen - oder Ideale - bedürfen selten der Scham." Am Ideal des Sozialismus wolle er festhalten. Seit dem Ende der 60er Jahre hatte sich Strahl als Lustspielautor quasi eine Monopolstellung unter den DDR-Dramatikern verschafft. Die Uraufführung eines weiteren, zum Friedensthema passenden Stückes ("Das Blaue vom Himmel") wurde 1985 auf Weisung von oben abgesagt.

Auermann dürfte nach dem Coup - sollte er stimmen - wieder ihr typisches, leicht spöttisches Lächeln aufsetzen. Paris hat die Berlinerin, die so gerne kühl und unnahbar wirken möchte, lange hinter sich gelassen. Umso einladender wirkt ihr neues Anwesen. Ob sie es Wolfgang Joop schon gezeigt und ihm ein Gästezimmer angeboten hat?

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