Havelsee : "Meine Straße ist mehr als 100.000 Euro wert"

Ein Berliner Dolmetscher hat vor zwei Wochen bei einer Zwangsversteigerung eine Straße in einem Wohnpark in Havelsee gekauft. Zwar sieht die Gemeinde keine Notwendigkeit, die Straße von ihm zu erwerben. Nach Ansicht eines Sachverständigen könnte er aber einen sechsstelligen Betrag fordern.

Claus-Dieter Steyer
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Herr der Straße. -Foto: ddp

Briest - Der Erwerber einer etwa 500 Meter langen Straße im Dorf Briest bei Brandenburg (Havel) hat sich informiert, wie viel sein Privatweg wert sein soll. Er habe sich bei einem Bausachverständigen erkundigt, sagte Wassim Saab am Freitag dem Tagesspiegel. „Er nannte einen Betrag zwischen 100 000 und 150 000 Euro. Das heißt aber nicht, dass ich so viel Geld auch verlangen werde.“ Der 71-jährige Dolmetscher aus Berlin, der die Straße bei der Zwangsversteigerung des Wohnparks Briest für 1000 Euro erworben hatte, sagte, er habe sich noch nicht für einen Preis entschieden. Die Anwohner der Straße will der neue Eigentümer nicht mit höheren Gebühren belasten. Dafür habe er aber an die Energie- und Wasserversorgung einen Brief geschrieben, in dem er sich als neuer Eigentümer vorstellte. „Die sollen jetzt möglichst mehr bezahlen“, erklärte Saab.

Ob er jedoch überhaupt einen Käufer findet, wird zumindest vom Landkreis Potsdam-Mittelmark bezweifelt. Laut den dort vorliegenden Unterlagen handelt es sich um eine öffentlich-rechtlich gewidmete Straße. „Da spielen die Eigentumsverhältnisse aus unserer Sicht keine entscheidende Rolle“, sagte die Sprecherin der Kreisverwaltung, Andrea Metzler. „Die Kommunen sind gar nicht verpflichtet, eine Straße in ihr Eigentum zu übernehmen.“

Ähnlich reagierte auch die Direktorin des zuständigen Amtes Am Beetzsee, Simone Hein. In einer Mitteilung erklärte sie: „Die zur Erschließung des Wohngebiets errichtete Straße Am Mühlenberg ist und bleibt öffentlich.“ Die Gemeinde werde weiterhin die Straßenbaulast und die Verkehrssicherungspflicht tragen. Anlieger brauchten sich keine Sorgen um höhere Gebühren machen. Auf Nachfragen wollte sie sich nicht äußern. Sie verwies auf eine Einwohnerversammlung am Montag. 

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