HEIK AFHELDT trifft… : Klimamacher Michael Nagl

Berliner Luft hat einen Besitzer: Michael Nagl, ein echter katholischer Bayer mit grauweißem Schnauz-, Kinn und Backenbart, voller Dynamik und Tatendrang. Vor und in seinem sonst nüchternen Büro im siebten Stock des total renovierten Plattenbaus in Lichtenberg – der ehemaligen Kombinatszentrale, die in Berlin und Dresden für alles zuständig war, was mit Klimatechnik zu tun hatte – verraten ausgestopfte Tiere die Jagdleidenschaft des heutigen Inhabers, des Chefs der Berliner Luft Gruppe.

Das Jagen hat er in Brasilien bei einem Freund schätzen gelernt. Nach Südamerika war er 1978 als konsequenter Sanierer für das Haus Siemens gesandt worden, in dem er nach seinem Abitur in Straubing die Lehre als Industriekaufmann gemacht hatte. 1984, nach sechs Jahren als angestellter Boss, wollte er mehr Selbständigkeit und gründete als Teilhaber mit und für einen Freund in Brasilien eine Produktionsfirma für Ventile. Auch das war ein Erfolg. Aber dann haben beide Eltern Nagl erlebt, wie wenig gedeihlich die Atmosphäre für Kinder erfolgreicher „Einwanderer“ dort sein kann – Bedienstete, Fahrer, Privatschule und die übliche Glocke an Luxus. Das wollten sie ihren damals acht und zehn Jahre alten Kindern nicht „antun“. Also zurück nach Deutschland, wo dann bald die Mauer fiel!

Es folgten verschiedene wichtige und interessante Jobs als Honorar-Geschäftsführer für Sanierungsaufgaben bei der Treuhand. Aber auch hier wollte er eigentlich nicht nur für andere sanieren, sondern sein eigenes Unternehmen zum Erfolg bringen. Das ist ihm mit der Berliner Luft Gruppe – nach manchen herben Rückschlägen – in den letzten drei Jahren nun sehr gut gelungen. 80 Millionen Euro setzt er mit ihren Geräten und Anlagen für die Lüftung und Klimatisierung von Industrie-, Gewerbe- und Büroanlagen heute um, ein Drittel davon im Ausland. 400 Leute sind für sie in Deutschland tätig, 300 in den Werken in Polen, Österreich, Brasilien und Quatar.

Die schönsten Franzosen in der Neuen Nationalgalerie werden seit kurzem mit einer topmodernen Anlage der Berliner Luft klimatisiert, und die gesamte Airbusfertigung, die gerade in China neu entsteht, wird mit ihren Anlagen be- und entlüftet. Die Märkte sind riesig. Der vieldiskutierte Klimawandel fordert besonders wirksame, immer sparsamere Geräte. Die Wachstumshemmnisse sind in erster Linie die fehlenden fähigen Leute.

Berlin sähe Nagl gerne etwas ernsthafter nach außen verkauft. Aber die Entwicklung hier sieht er mindestens für die nächsten zwanzig Jahre als hervorragend an.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels

Michael Nagl (58) ist

Geschäftsführer der Klimatechnikhersteller Berliner Luft Gruppe. Der gebürtige Bayer und gelernte Industriekaufmann ist der Präsident des Golfclubs Semlin im Havelland.