Der Tagesspiegel : Heilwasser in Rheinsberg: Erlebnisbäder in Brandenburg sind rar

Bü.

In Brandenburg haben sich Investoren bislang bei den so genannten Erlebnisbädern eher zurückgehalten. In keinem anderen Bundesland in Ostdeutschland gebe es so wenige Erlebnisbäder wie in Brandenburg, hieß es kürzlich im Jahresbericht 2000 zum Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes (OSGV). Drei Erlebnisbäder hat das Land, zwei weitere sind im Bau. Der Boom der Erlebnisbäder wird in dem Bericht allerdings durchaus kritisch gesehen. Insgesamt kämpften in Ostdeutschland 40 Erlebnisbäder um die Gunst des Publikums, 13 weitere seien in Bau - eine Tatsache, die "Anlass zur Sorge gibt", heißt es beim OSGV. Die Erlebnisbäder seien unter den Freizeiteinrichtungen im Osten die "Verlierer" des Jahres 1999. Der Jahresbericht nennt ihre Situation "Besorgnis erregend". Dem vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr Berlin-München (dwif) erstellte Tourismusbarometer zufolge mussten die Erlebnisbäder mit einer einzigen Ausnahme Besucherrückgänge hinnehmen, die meist über zehn Prozent betrugen. Als Ursache gab der OSGV unter anderem die "rasant anwachsende Konkurrenz" an. Daten zur Auslastung der Bäder in Brandenburg speziell würden im Barometer aus Datenschutzgründen jedoch nicht veröffentlicht, sagte eine Mitarbeiterin des dwif.

Auf eine gute Auslastung kann indessen seit der Eröffnung Ende 1998 das Thermalbad in Bad Saarow verweisen: Das erste brandenburgische Thermalbad in dem 70 Kilometer südöstlich von Berlin gelegenen Kurort am Scharmützelsee kann häufig um die 1000 Besucher registrieren - 750 sind für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendig. Ein weiteres Heilbad in Brandenburg ist - neben Bad Wilsnack und Bad Liebenwerda - vor allem Bad Freienwalde. Das 685-jährige Städtchen war früher das Modebad nahe Berlin - Treffpunkt des märkischen und preußischen Adels. An diese Zeit erinnern das vor fast 200 Jahren von David Gilly errichtete Schloss und das benachbarte Teehäuschen - im 18. Jahrhundert Sommersitz von Königin Friederike Luise. Das Bürgertum nahm später die Bademöglichkeiten ebenfalls für sich in Anspruch, auch wenn 1840 das heilkräftige Wasser zu Ende ging und die findigen Freienwalder auf Moor zurückgriffen. Seit 1924 darf sich die heute rund 11 000 Einwohner zählende Stadt im Landkreis Märkisch-Oderland "Bad" nennen und zählt damit zu den wenigen Orten in der Mark, die den zu DDR-Zeiten übernommenen Zusatz "Bad" verteidigen konnten.

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