Der Tagesspiegel : Helfen, weil es ein „super Gefühl“ ist Berliner Schüler im Deicheinsatz

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Perleberg. Die Schultern sind rot von der Sonne, die Hände voller Blasen und die Muskeln schmerzen „wahnsinnig“, aber es sei ein super Gefühl, dabei gewesen zu sein und zu helfen, sagt Christopher Manske aus der Klasse 11e der Humboldt-Oberschule aus Berlin-Tegel. Gemeinsam mit 90 Mitschülern ist er am Mittwoch nach Perleberg gefahren, um die Stadt vor der Flut zu retten. Mindestens 11 000 Sandsäcke haben sie vollgeschippt, aber gezählt habe zum Schluss niemand mehr. Morgens um sechs ging’s los, ab acht wurde geschippt, um 18 Uhr war Feierabend. Erst gegen zehn Uhr abends waren die Schüler wieder zu Hause, am Donnerstag erschienen alle pünktlich zum Unterricht. „Ein tolles Erlebnis, gemeinsam für eine gute Sache zu schuften“, sagt Christopher. Er habe sich am Mittwoch mit Schulkameraden unterhalten, die er bis dahin nicht mal gegrüßt hat. Auch Direktor Hinrich Lühmann ist zufrieden. „An diesem einen Tag haben meine Schüler mehr über Solidarität gelernt als in jeder Unterrichststunde.“ Auch wenn er jetzt um 200 Euro ärmer ist: nach getaner Arbeit durften die Helfer auf seine Kosten essen gehen.

Heute Morgen ist die nächste Berliner Schülergruppe ins Hochwassergebiet aufgebrochen. Rund 100 Schüler der Werner-Seelenbinder-Oberschule (Hohenschönhausen) fahren in das von der Flut verwüstete Eilenburg im Muldetal. – „Schlamm schippen“. Bis Sonntag helfen sie, die Stadt vom gröbsten Unrat zu befreien. Lehrer und Schüler sind von der Hilfsbereitschaft der Berliner überwältigt. „Zahllose Spaten, Handschuhe und Zelte wurden gespendet, gerade hat ein Kleinbauer Obst vorbeigebracht“, sagt Schulleiter Gerd Neumes. Frühstück und Abendessen für die drei Tage liefert das KaDeWe, die drei Busse, mit denen die Schüler nach Eilenburg fahren, stellt die BVG. „Hoffentlich reichen die“, sagt Neumes, denn stündlich melden sich neue Schüler für die Reise an. „Ich will den Leuten dort unten helfen, persönlich“, sagt Lars Burchert aus der Klasse 11/2. Nur Taschengeld spenden, sei ihm nicht genug. „Das bekomme ich ja schließlich auch bloß von meinen Eltern.“ Eines verstehen die Schüler aber nicht: Zur Vorbeugung müssen sich die Helfer gegen Hepatitis A impfen lassen, doch die Ärzte wollen 50 Euro dafür. „Das macht viele Eltern sauer, ihre Kinder helfen ja schließlich auch kostenlos“, sagt Schulleiter Neumes. Annekatrin Looss

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