Der Tagesspiegel : Herr Richter auf der Anklagebank

Ein Jurist steht wegen Zuhälterei und Körperverletzung vor Gericht. Er soll ein Bordell betrieben haben

Volker Eckert

Brandenburg (Havel). Vielleicht wird Richter Hubert F. in diesem Verfahren seine schwarze Robe vermissen oder die leicht erhöhte Position seines Sessels. Bestimmt aber die Tatsache, dass er diesmal nicht selbst das letzte Wort hat. Das Urteil in dem Verfahren spricht nämlich ein anderer. Hubert F., Richter am Amtsgericht Brandenburg (Havel), muss ab kommendem Dienstag im Landgericht Berlin-Moabit auf der Anklagebank Platz nehmen. Sexuelle Nötigung wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor, Zuhälterei und gefährliche Körperverletzung.

Hauptbelastungszeugin ist die 19-jährige Slowakin Lydia S., die mit F. zusammenlebte. Von Oktober 2000 bis Dezember 2001 soll er sie in seiner Steglitzer Wohnung zur Prostitution genötigt haben. Der Angeklagte schaltete wiederholt Anzeigen für „Swinger-Parties“. Die meist männlichen Gäste zahlten laut Anklage jeweils 50 Euro „Eintritt“. Drei Mal wöchentlich lud F. in seine Wohnung, je drei bis neun Gäste kamen gewöhnlich. Der Richter nahm so bis zu 3000 Euro monatlich ein, wovon die 19-Jährige nur einen geringen Anteil erhalten haben soll.

Auch eine Polin hat laut Anklage ein halbes Jahr lang für F. in dessen Wohnung angeschafft. Sollte das Gericht ihm nachweisen, dass der Bordellbetrieb in seiner Wohnung tatsächlich gegen den Willen der jungen Frauen geschah, droht dem Richter eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren.

Anfangs machte Lydia S. nach eigener Aussage freiwillig mit. Als sie sich aber nach einer Woche weigerte, soll der Angeklagte ihre finanzielle Abhängigkeit ausgenutzt und sie zum Weitermachen gezwungen haben. Das Gericht wirft ihm außerdem vor, er habe schmerzhafte und gewalttätige Sexualpraktiken geduldet.

Seit Bekanntwerden der Vorwürfe im vergangenen August ist Hubert F. vom Dienst suspendiert, sein Gehalt gekürzt. Sein Anwalt bestreitet die Vorwürfe, nichts sei gegen den Willen von Lydia S. geschehen. Die Einnahmen hätten „mehr oder weniger die Unkosten gedeckt“, den Rest hätten beide für gemeinsame Lebenshaltung ausgegeben. Ansonsten vertraut der Verteidiger darauf, dass Hubert F. vom Ansehen des Berufsstandes profitiert: „Mein Mandant ist nicht irgendwer. Der ist nicht umsonst auf diesem Posten.“

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