Der Tagesspiegel : Herr Wichmann bäckt jetzt kleine Brötchen Der Filmheld von der CDU hat seinen Platz im Kreistag der Uckermark gefunden

Claus-Dieter Steyer

„Herr Wichmann von der CDU“ hat es geschafft. Im Prinzip jedenfalls. Der Held des gleichnamigen Kinofilms von Andreas Dresen sitzt zwar nicht im Bundestag, aber immerhin wieder im Kreistag der Uckermark. Und zwar nicht auf einer Hinterbank, sondern im wichtigsten Gremium dieses Parlaments. „Ich wollte in den Kreisausschuss, weil hier die wichtigsten Beschlüsse vorbereitet werden“, sagt der 26-jährige Jura-Student Henryk Wichmann. Außerdem zog er noch in den Jugendhilfeausschuss ein.

Der Jung-Politiker aus dem idyllischen Städtchen Lychen lässt sich die Niederlage bei der Bundestagswahl längst nicht mehr anmerken. Im Spätsommer 2002 hatte ihn die Kamera in seinem mehr oder minder aufregenden Wahlkampf begleitet. Da suchte er in Fußgängerzonen das oft mühsame Gespräch mit Wählern, verteilte ungefragt Autogrammkarten, sang an einer Imbissbude die Nationalhymne, hängte heruntergerissene Wahlplakate wieder auf und diskutierte über Ausländerfeindlichkeit.

Ganz nebenbei wurden die Zuschauer mit der Uckermark vertraut gemacht. Wenn auch unvollständig, denn hinter schönen Alleen, klaren Seen und weiten Landschaften verschwanden die alltäglichen Probleme der Gegend. Die Arbeitslosenquote von fast 25 Prozent übertreffen nur einige Regionen im nahen Mecklenburg-Vorpommern. Junge Leute verlassen scharenweise ihre Heimat.

„Gerade da will ich ansetzen“, sagt Wichmann. „Ich habe Sorge, dass man die Randregionen Brandenburgs vergisst.“ Die jetzt so stark kritisierte These von der „dezentralen Konzentration“, die auf die gerechte Verteilung von Fördermitteln im ganzen Land abzielt, sei völlig richtig gewesen. Wichmann schimpft über den Chef der Brandenburger Staatskanzlei, der von der „Verelendung der Randregionen“ gesprochen habe. „Das muss er uns im Uckermark-Kreistag mal erklären – und vor allem, wie wir da herauskommen sollen.“ An Selbstbewusstsein mangelt es Wichmann, der im Bundestagswahlkampf gegen SPD-Urgestein Markus Meckel keine Chance hatte, nicht. In der ehemaligen sozialdemokratischen Hochburg Lychen holte er mit der CDU bei der Kommunalwahl im Oktober 36 Prozent der Stimmen. „Da kam mir natürlich der Film entgegen, obwohl ihn hier wohl nur wenige gesehen haben. Aber wenigstens wussten die Leute, mit wem sie es auf dem Stimmzettel zu tun hatten.“

Beflügelt von so viel Rückenwind hat Wichmann die Baustellen gefunden, auf denen er ackern will: für den Tourismus, den Hafen in Schwedt, den Mittelstand in Prenzlau, die Jugendklubs. Irgendwann will er auch endlich seine Freundin heiraten, mit der er eine Tochter hat. Kinogänger kennen die Familie schon.

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