Hertha BSC : Treffen und trennen

Heute soll es ein Gespräch zwischen Manager Dieter Hoeneß und Dick van Burik geben. An seinem Ende könnte die Trennung stehen.

Michael Rosentritt

Berlin - Dick van Burik hat heute einen langen Arbeitstag vor sich. Für gewöhnlich verbringen Fußballprofis die Mittagspause in den eigenen vier Wänden, ehe sie zur zweiten Trainingseinheit wieder auf dem Vereinsgelände erscheinen. Der 33 Jahre alte Holländer von Hertha BSC aber hat heute Mittag noch einen Termin bei Manager Dieter Hoeneß. Was nicht immer Gutes bedeutet.

Vorgestern hatten sich die beiden zu einem ersten Gespräch getroffen. Es endete ergebnislos. Heute soll ein abschließendes Gespräch stattfinden. An seinem Ende könnte die Trennung stehen. Zwar besitzt der Abwehrspieler einen gültigen Vertrag bis 2008 beim Berliner Bundesligisten, aber was heißt das heute schon. Eine Auflösung des Vertrages ist nicht mehr unwahrscheinlich.

Der Hintergrund im Fall van Burik ist zumindest speziell. Van Burik, der wie Hoeneß seit zehn Jahren bei Hertha ist, wurde über viele Spielzeiten hinweg wegen seiner Professionalität hoch geschätzt. Zwar warfen ihn immer mal wieder Verletzungen zurück, aber van Burik galt sportlich wie menschlich als stabilisierendes Element. Auch ohne Kapitänsbinde, die der Holländer bei Hertha zwischenzeitlich trug, hatte sein Wort innerhalb der Mannschaft Gewicht. Er ist ein Führungsspieler, der seine dominante Stellung bisher in den Dienst der Mannschaft stellte.

So wird seit Jahren von ihm ausdrücklich gewünscht, dass er den jungen Spielern als Ratgeber zur Seite steht. Aber genau das könnte ihm zum Verhängnis geworden sein. Der Verein glaubt, dass sein Einfluss auf Spieler wie beispielsweise Kevin und Jerome Boateng zuletzt nicht immer im Sinne Herthas war. Diese beiden Spieler haben denselben Berater wie der Abwehrspieler. Es ist Dick van Buriks Vater Karel. „Das ist eine Konstellation, die fast zwangläufig Konflikte hervorbringt“, sagte Hoeneß gestern dem Tagesspiegel.

Der Manager habe Dick van Burik vor über einem Jahr auf mögliche Interessenkonflikte zwischen der Beratertätigkeit seines Vaters und denen des Vereins hingewiesen. Seit Jerome Boateng vor einigen Tagen ein Angebots Herthas zur Vertragsverlängerung abgelehnt hat, hängt der Haussegen bei Hertha schief. So hatte Karel van Burik das Doppelte für die Vertragsunterschrift Boatengs verlangt. Doch nur der HSV ist bereit, dieser Forderung ab kommenden Sommer zu entsprechen. Dann läuft der alte Vertrag Boatengs aus. Das Talent, das Hertha ausgebildet hat, würde den Klub ablösefrei verlassen. „Da wird ein Kampf auf dem Rücken von Hertha ausgetragen. Das machen wir nicht mit“, sagte Hoeneß.

Die Vereinsführung hatte im Mai auf der Mitgliederversammlung angedeutet, „dass wir die Missstände der abgelaufenen Saison analysieren, aufarbeiten und nicht vor unangenehmen Konsequenzen zurückschrecken werden“, sagte Hoeneß. Damals hatte der Manager aber auch das Verhalten der Spieler kritisiert: „Dass Jerome und Kevin Boateng öffentlich immer nur von englischen Klubs träumen und nie über Hertha BSC reden, ist eine Katastrophe.“

Sehr wahrscheinlich wird es heute zu ersten Konsequenzen kommen. Zwar bleibe weiter das Ziel, mit Jerome Boateng zu verlängern. Aber nicht um jeden Preis. Die Forderungen hält Hoeneß für „utopisch“. Inwiefern dem Spieler van Burik eine negative Einflussnahme auf das Verhalten Boatengs nachzuweisen ist, bleibt fraglich. „Er spielt da sicher eine Rolle, wenn auch keine aktive“, wie Hoeneß sagte. Möglich ist, dass Herthas neuer Trainer rein sportliche Bedenken äußert, dass van Burik in den Plänen von Lucien nicht wichtig ist. So könnte heute der lange Arbeitstag auch der letzte werden für Dick van Burik bei Hertha BSC.