Der Tagesspiegel : "Hiebmaßnahmen" angekündigt: Riesiges Hakenkreuz aus Bäumen soll geteilt werden

Reinhart Bünger

Die bundeseigene Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BWVG) will jetzt Hand in Hand mit der Landesforstverwaltung Brandenburgs gegen ein Hakenkreuz aus Bäumen vorgehen: Das 60 mal 60 Meter große Areal hatte ein linientreuer Förster 1938 inmitten eines Kiefernwaldes aus Lärchen angelegt. Immer im Herbst verfärben sich die Nadeln der Bäume und verwandeln sich - aus der Luft gesehen - in das Symbol des Nationalsozialismus. Die umstehenden Kiefern dagegen bleiben das ganze Jahr über Grün. Die Hälfte des Kreuzes soll nun abgeholzt werden, wie BWVG-Sprecherin Constanze Fiedler gestern auf Anfrage erklärte. Die andere Hälfte sei in privater Hand, da habe man keine Handhabe für "Hiebmaßnahmen". Ob die Reste des Kreuzes auf BWVG-Seite nun durch Wiederaufforstung zum Beispiel in ein "Peace-Zeichen" verwandelt werden können, wollte Fiedler dahingestellt sein lassen.

Warum die Anpflanzung in der antifaschistischen DDR gedeihen konnte, sei schwer zu sagen. Doch schon 1994 habe die BWVG wegen des Hakenkreuz-Waldes Maßnahmen ergriffen, doch seien diese nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Was damals versucht wurde, könne sie nicht sagen ("Ich bin kein Förster"). Die Existenz des Hakenkreuzes war in dieser Woche durch die Presse wieder in Erinnerung gerufen worden. Fiedler wies darauf hin, dass sich in dem Hakenkreuzgebiet bei Zernikow auch vermögensrechtliche Ansprüche gezeigt hätten, die schnelles Reagieren verhindert hätten.

Der Sprecher des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums, Jens-Uwe Schade, sagte, das Forstamt habe 1995 bereits einige Bäume schlagen lassen. Jetzt werde ein sogenannter Kulissenhieb vorbereitet, der auf Kahlschlag hinauslaufe. Gerüchten zufolge entstand die Anpflanzung, weil der damalige Förster einen Gutsbesitzer ärgern wollte, der den Nationalsozialisten gegenüber kritisch eingestellt war. Ob dieser Förster noch heute seinen Dienst am deutschen Wald verrichtet, ließ sich nicht ermitteln: Das Amt für Forstwirtschaft in Zernikow war am Freitag bis zum Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

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