Hilfskonferenz : 4,5 Millionen Iraker auf der Flucht

Wegen der anhaltenden Gewalt im Irak haben Millionen Menschen die Flucht ergriffen. In Jordanien wurde heute auf einer internationalen Konferenz darüber beraten, wie man den Vertriebenen helfen kann.

Wegen der anhaltenden Gewalt im Irak haben Millionen Menschen die Flucht ergriffen. In der jordanischen Hauptstadt Amman wurde heute auf einer internationalen Konferenz über Hilfsmaßnahmen beraten. Rund 4,5 Millionen irakische Vertriebene verzeichnet das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) im In- und Ausland. Die Mehrzahl der Flüchtlinge lebt in den Nachbarstaaten Syrien und Jordanien. Nur wenige schaffen es bis in die Europäische Union. Indes stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Asylanträge von Irakern in den Industrieländern um 77 Prozent an. Unter den Asylbewerbern in Deutschland ist der Irak einer der wichtigsten Herkunftsstaaten.

Schon während der Amtszeit des irakischen Machthabers Saddam Hussein flohen Millionen Iraker aus ihrem Land. Nach dem Sturz von Saddam Hussein kehrten in den Jahren 2003 bis 2005 nach UNHCR-Angaben 500.000 Flüchtlinge zurück. Die bis heute anhaltende Massenflucht begann nach Angaben von UNHCR-Sprecher Stefan Telöken im Februar 2006 mit dem Anschlag auf das schiitische Heiligtum in der Sunniten-Stadt Samarra im Februar 2006, der eine bis heute andauernde Welle der Gewalt zwischen den Religionsgruppen auslöste. Seitdem wurden laut UNHCR 750.000 Iraker vertrieben, jeden Monat kommen weitere 50.000 hinzu.

Die meisten aus ihrem Land geflohenen Iraker leben in den Ländern der Region. Allein in Syrien suchten laut UNHCR 1,2 Millionen Iraker Zuflucht, in Jordanien 750.000. Täglich kommen rund 2000 neue Flüchtlinge aus dem Irak nach Syrien. Der Iran hat 54.000 Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen, Ägypten 100.000, der Libanon 40.000 und die Türkei 10.000. Innerhalb des Irak sind nach Schätzung der UNHCR rund 1,9 Millionen Menschen auf der Flucht.

74.000 Iraker in Deutschland

Im vergangenen Jahr stellten 22.000 Iraker Asylanträge in Industrieländern. Mit 9000 Anträgen gingen die meisten in Schweden ein, das eine relativ liberale Asylpolitik verfolgt. In Deutschland stellten 2100 Iraker im Jahr 2006 einen Antrag auf Asyl, im ersten Halbjahr 2007 waren es rund 900. In Deutschland leben derzeit nach Angaben des Bundesinnenministeriums rund 74.000 irakische Staatsbürger. Die Mehrzahl kam bereits in den 1990er Jahren in die Bundesrepublik. "Damals waren es bis zu 18.000 pro Jahr", sagte UNHCR-Sprecher Telöken. Rund 53.000 Iraker in Deutschland gelten als anerkannte Flüchtlinge, 10.000 weitere sind nur geduldet.

Während die Anerkennungsquote in Deutschland nach dem Golfkrieg Anfang der 1990er Jahre mit bis zu 80 Prozent sehr hoch war, erkannten die Behörden im vergangenen Jahr nur noch acht Prozent der irakischen Asylbewerber als Flüchtlinge an. Einige der abgelehnten Asylanträge wurden in Duldungen umgewandelt. Gegen fast 20.000 anerkannte irakische Flüchtlinge wurden laut UNHCR so genannte Widerspruchsverfahren eingeleitet. Diese können in eine Abschiebung oder in eine Duldung - also die Aussetzung der Abschiebung - münden. Nach Angaben des UNCHR-Sprechers Telöken nimmt Deutschland aber "so gut wie keine" Abschiebungen in den Irak vor. In Ausnahmefällen ist eine Abschiebung in den Nordirak möglich, insbesondere bei Straftätern. (mit AFP)